Möbelbeschläge im Praxistest: Meine Erfahrungen aus der Werkstatt
Möbelbeschläge im Praxistest
Heute bin ich auf YouTube eher zufällig über ein Video gestolpert, in dem ein Schreiner den Bau eines hölzernen Schubladenauszugs erklärt.
Mein erster Gedanke war allerdings: Wer braucht so etwas eigentlich? Wer baut sich so einen Holzauszug nach – und vor allem: Welchen praktischen Mehrwert soll das am Ende bringen?
Wie auch immer – vielleicht gibt es tatsächlich den einen oder anderen, der für so etwas einen sinnvollen Einsatzzweck hat. Mir persönlich fällt allerdings keiner ein.
Dafür kann ich aus eigener Erfahrung umso mehr zu wirklich praxisrelevanten Themen beitragen – etwa zu Auszügen, Griffen, Topfbändern oder Stützen. Genau dort liegen für mich die Dinge, die im Werkstattalltag tatsächlich zählen.
Topfscharniere (Topfbänder)
Jeder Schrank mit Türen braucht Scharniere. Früher kamen dafür häufig sogenannte Klavierbänder zum Einsatz: äußerst stabil, aber auch arbeitsintensiv in der Verarbeitung und beim Spaltmaß nicht gerade unproblematisch. Normale Klappscharniere schieden wegen der geringen Wandstärken vieler Schränke oft von vornherein aus.
Das moderne Topfscharnier – oft auch Topfband genannt – hat keinen einzelnen Erfinder. Die Entwicklung des ersten verdeckt liegenden Scharniers mit Schließautomatik und Topfbohrung geht auf das Jahr 1957 zurück, als das italienische Unternehmen Salice ein entsprechendes Patent anmeldete. In den folgenden Jahrzehnten wurde dieses System vor allem durch den österreichischen Beschlägehersteller Blum sowie weitere deutsche Hersteller entscheidend weiterentwickelt und im Möbelbau praktisch zum Standard gemacht.
Topfband-Arten
- Eckanschlag (Außenanschlag): Die Möbeltür liegt flach auf der Außenseite des Korpus auf. Sie überdeckt die Seitenwand fast komplett. Diese Variante wird bei klassischen Schranktüren am häufigsten verwendet.
- Mittelanschlag (Halbaufschlagend): Zwei Türen schlagen an einer gemeinsamen Mittelwand an. Jede Tür deckt die halbe Stärke der Trennwand ab, was typisch für Kleiderschränke ist.
- Innenanschlag (Einschlagend): Die Tür liegt im Korpus und schließt bündig mit der Schrankvorderkante ab. Sie befindet sich also zwischen den Seitenwänden.
Zusätzliche Unterscheidungsmerkmale bei Topfbändern
Neben dem Anschlag lassen sich Topfbänder durch ihre speziellen Funktionen und Bauweisen unterscheiden:
Öffnungswinkel: Standardbänder öffnen meist in einem Winkel von 95° bis 110°. Für besondere Raumlösungen gibt es Weitwinkelscharniere mit bis zu 165°.
- Kröpfung: Der "Knick" (Kröpfung) im Scharnierarm bestimmt den Anschlag. Ein gerader Arm ist meist für den Eckanschlag gedacht, während stark gekröpfte Bänder für den Innenanschlag genutzt werden.
- Zusatzfunktionen: Topfbänder sind oft mit Dämpfung (Soft-Close) für ein leises Schließen, Clip-Technik zur werkzeuglosen Montage oder mit Selbsteinzug ausgestattet.
- Spezialbänder: Für spezielle Schrankformen existieren Winkelbänder (für z.B. Eckschränke mit 45°- oder 90°-Winkeln) sowie für rahmenlose Konstruktionen.
- Topfdurchmesser: Der Standard für Möbeltüren ist ein Topfdurchmesser von 35 mm. Für kleine Schränke oder sehr dünne Türen werden seltenere 26-mm-Töpfe eingesetzt.
Topfband positionieren
An mein erstes Topfband kann ich mich noch gut erinnern. Als Anfänger habe ich damals natürlich erst einmal nach passenden Videos im Netz gesucht – und auch einige gefunden. Aus heutiger Sicht waren viele davon allerdings vor allem dazu da, interessierten Neulingen möglichst viel teures Zubehör aufzuschwatzen.
Dabei ist die Sache in Wahrheit erstaunlich einfach. Diese kleine Schablone von Hettich zum Anzeichnen der Bohrungen kostet gerade einmal vier Euro und erfüllt ihren Zweck völlig problemlos. Dafür braucht es weder das viel bemühte „32er-System“ noch irgendwelche aufwendigen Frässchablonen. Sie funktioniert sowohl für anschlagende als auch für einliegende Türen.
Mein damaliger Kauf einer Frässchablone für die Oberfräse samt teurem Fräser war rückblickend betrachtet schlicht überflüssig.
Wer allerdings sehr viele Topfbohrungen herstellen muss – etwa bei einem langen oder hohen Schrank mit zehn oder mehr Bändern –, für den kann eine einfache Frässchablone durchaus sinnvoll sein. Dann geht die Arbeit schneller, gleichmäßiger und man spart sich auf Dauer auch etwas Nerven.
Dafür muss man allerdings kein Vermögen ausgeben. Eine einfache Schablone lässt sich mit wenig Aufwand selbst bauen oder für kleines Geld beschaffen. Der Materialeinsatz liegt oft bei gerade einmal fünf Euro, und in verschiedenen YouTube-Videos wird der Bau solcher Schablonen sehr anschaulich erklärt.
Was aus meiner Sicht jedenfalls nicht nötig ist: für einen 35-mm-Beschlagbohrer von Festool über 100 Euro auszugeben. Der HW S8 D35 liegt inzwischen bei rund 103 Euro – und das ist für diese Arbeit schlicht überzogen. Ein guter Forstnerbohrer mit demselben Durchmesser kostet oft nicht einmal die Hälfte und erfüllt seinen Zweck in der Praxis völlig problemlos.
Was brauche ich im Normalfall an Werkzeug für ein Topfband?
- Forstnerbohrer 35mm Durchmesser
- Holzbohrer 5mm Durchmesser
- Akkuschrauber
- Schablone für das Anzeichnen
- TK-Stift
Hier einmal ein Beispiel nach dem Bohren der Topflöcher und der Bohrungen für die Befestigungsschrauben.
Ja, bei beschichteten Spanplatten macht diese Arbeit ordentlich Dreck. Natürlich könnte man versuchen, schon während des Bohrens abzusaugen – ich räume den anfallenden Schmutz allerdings lieber anschließend weg. Bei Vollholz sieht es im Grunde nicht viel anders aus, nur dass dort die Späne meist deutlich größer ausfallen.
Praktisch ist bei den neuen Hettich-Kreuzplatten, dass die passenden Befestigungsschrauben bereits dabei sind. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch die Suche nach den richtigen Schrauben.
Einstellmöglichkeiten
Natürlich kann es vorkommen, dass ein Topfband einmal nicht auf Anhieb perfekt sitzt. Bei Markenqualität von Hettich oder Blum passiert das zwar eher selten, weil diese Bänder in der Regel bereits so gefertigt sind, dass sie im montierten Zustand sauber zur Kreuzplatte passen.
Trotzdem lässt sich bei Bedarf nachjustieren – sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe. Die Einstellung erfolgt über die entsprechenden Schrauben am Band, leider meist noch mit Kreuzschlitz.
Wichtig ist dabei: Nicht wahllos an allen Topfbändern gleichzeitig drehen, solange die Tür noch komplett mit dem Schrank verbunden ist. Immer nur ein Band nach dem anderen verstellen, prüfen und dann erst das nächste anpassen. Sonst verliert man schnell die Übersicht und verschlimmbessert am Ende mehr, als man korrigiert.
Blum und Hettich gehören für mich ganz klar zu den besten Herstellern von Möbelbeschlägen. Das ein oder andere Bauteil mag sich im Detail unterscheiden, doch die Maße für die Befestigung sind im Grunde gleich. Entscheidend ist am Ende nicht die Optik, sondern die Qualität – und genau dort trennt sich die Spreu vom Weizen. Baumarkt-Müll kommt mir jedenfalls nicht mehr ins Haus.
Was gegen No-Name-Beschläge spricht, ist nicht nur die oft miserable Qualität, sondern auch der Preis im Baumarkt. Dort zahlt man erfahrungsgemäß schnell rund 6 Euro pro Topfband – und das oft noch ohne Kreuzplatte und ohne passende Schrauben.
In vielen Onlineshops bekommt man dagegen für knapp 4 Euro bereits Topfbänder von Hettich oder Blum, also echte Markenqualität. Kreuzplatten gibt es häufig schon für rund 80 Cent zusätzlich. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Preisvergleich – und vor allem der Verzicht auf billigen Baumarkt-Kram.
Schubladenauszüge
Wie bereits am Anfang erwähnt, kann ich mir heute keinen sinnvollen Anwendungsfall vorstellen, in dem ein selbst gebauter Holz-Schubladenauszug noch ernsthaft eine Rolle spielen sollte. Für mich fällt so etwas eher in die Kategorie „Mangel an interessanteren Themen“ – oder anders gesagt: Man baut es, weil einem gerade nichts Besseres einfällt, nicht weil es im Alltag wirklich einen praktischen Nutzen hätte.
Auszüge gibt es inzwischen in hunderten Varianten, Längen und Qualitätsstufen. Vom einfachen, robusten Standardauszug für rund 12 Euro bis hin zu aufwendig einzubauenden Komfortauszügen für weit über 40 Euro pro Paar ist alles dabei.
Hier verbaue ich gerade Blum-Auszüge für knapp 30 Euro in einen Werkzeugschrank. Nicht etwa, weil ich ausgerechnet in diesem Schrank unbedingt diese Auszüge bräuchte, sondern schlicht deshalb, weil ich sie noch im Bestand hatte. Bevor so etwas im Regal verstaubt, kann es auch sinnvoll verbaut werden.
Eine pauschale Empfehlung für bestimmte Schubladenauszüge kann ich nicht geben, denn am Ende entscheidet immer der Einsatzzweck. Für meine Werkstattschränke verwende ich grundsätzlich kräftige Teleskopauszüge von Teleskopschienen24. Dort zählt vor allem die hohe Tragkraft, denn Werkstattschubladen müssen Gewicht aushalten und dauerhaft zuverlässig laufen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich diese Auszüge vergleichsweise einfach montieren lassen.
Und ja: Ich werde ganz sicher nie wieder sogenannte Push-to-open-Auszüge verbauen. Auf dem Papier klingt das immer modern und elegant – in der Praxis sind diese Systeme aber deutlich anfälliger, als man zunächst denkt. Wenn so ein Auszug ausfällt, wird der Austausch schnell zu einer unnötig lästigen und unbequemen Arbeit.
Bei selbst einziehenden Auszügen sollte man deshalb aus meiner Sicht keine Kompromisse machen. Hier würde ich ausschließlich zu Markenware greifen. Nur dann ist die Chance groß, dass man nicht schon nach kurzer Zeit wieder an den Schrank muss, sondern über viele Jahre Ruhe hat.
Wer noch nie Schubladenauszüge eingebaut hat, dem kann ich nur raten, zunächst ein Probestück anzufertigen. So lassen sich mögliche Einbaufehler oder Passprobleme sehr viel schneller erkennen, bevor man sich den eigentlichen Schrank unnötig verdirbt.
Gerade bei Teleskopauszügen ist es entscheidend, den vorgeschriebenen Abstand zwischen Schublade und Schrankwand exakt einzuhalten. Schon ein Millimeter zu viel Spiel kann dazu führen, dass der Auszug nach einigen Bewegungen ausklinkt oder nicht mehr sauber läuft.
Genau deshalb lohnt sich ein Probestück fast immer: Es kostet wenig Material, spart aber im Zweifel eine Menge Ärger.
Teleskopauszüge sind in der Praxis sehr einfach zu verbauen. Die Schublade lässt sich dabei vergleichsweise frei positionieren, ohne dass man an bestimmte komplizierte Mindestmaße gebunden wäre.
Befestigt werden diese Auszüge in der Regel mit sogenannten Euroschrauben am Korpus. Und genau da zeigt sich wieder einmal, wie absurd manche Baumarktpreise inzwischen geworden sind: Ein 1000er-Pack solcher Schrauben kostet online gerade einmal rund 10 Euro. Im Baumarkt habe ich dagegen ernsthaft schon Packungen mit sechs Stück für 4,65 Euro gesehen.
Mehr muss man über das Preisniveau im Baumarkt eigentlich nicht wissen.
hochwertige Auszüge
Es macht durchaus Spaß, hochwertige Auszüge in einen Schrank einzubauen. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass man damit an ganz bestimmte Einbaumaße gebunden ist – und zwar nicht nur bei der Schrankkonstruktion, sondern vor allem bei der Schublade selbst. Höhe, Tiefe und Breite müssen exakt zu den Vorgaben des jeweiligen Auszugssystems passen.
Damit nicht genug: Auch die Schublade muss nach den Anforderungen des Auszugs gebaut werden. Je nach System sind bestimmte Schubkastenseitenstärken, Aussparungen im Frontbereich und Bohrungen an der Rückseite für die Führungen erforderlich. Wer hier schludert oder „frei nach Gefühl“ baut, wird mit solchen Auszügen nicht glücklich.
Der Vorteil ist allerdings nicht von der Hand zu weisen: Ist alles sauber gebaut und korrekt montiert, läuft der Schubkasten sehr präzise, ohne zu wackeln und praktisch ohne Spiel. Dazu kommt, dass sich viele hochwertige Auszüge im eingebauten Zustand noch fein justieren lassen – horizontal wie vertikal, meist über kleine Einstellrädchen oder Exzenter.
Steckbodenträger System 32
Selbstverständlich hatte ich auch das Festool-Frässystem 32. Damals war ich noch deutlich stärker vom Festool-Virus befallen als heute.
Ohne groß über Sinn oder Unsinn nachzudenken, habe ich dieses System bei nahezu allen früheren Schrankprojekten eingesetzt. Lochreihe von oben bis unten gefräst – einfach, weil man es eben so macht, wenn man das System schon besitzt. Irgendwann habe ich mich allerdings gefragt, warum ich mir diese Arbeit eigentlich antue. Jeder weiß doch, dass ein Einlegeboden in den meisten Schränken später kaum noch umgesetzt wird. Trotzdem werden brav komplette Lochreihen durch den ganzen Korpus gezogen, als gäbe es dafür einen handwerklichen Orden.
Und diese Zahl „32“ hatte auf mich damals fast etwas Magisches. Heute weiß ich: Das war Unsinn.
Ein exakter Abstand von 32 Millimetern zwischen den Bohrungen ist in den allermeisten Fällen schlicht nicht nötig. Wer einen Schrank baut, muss nicht automatisch das komplette Systemdenken der Möbelindustrie übernehmen. Für ein paar Einlegeböden oder einfache Beschläge braucht es keine heilige Lochreihe über die gesamte Schrankhöhe.
Bohrungen Steckbodenträger
Für diese paar Bohrungen brauche ich weder eine Schablone noch irgendein Frässystem. Was man dafür wirklich braucht, ist ein wenig Verständnis für Statik und Hebelwirkung, einen 5-mm-Bohrer und einen Akkuschrauber.
Hier habe ich die Bohrungen ganz schlicht mit einem großen Anlegewinkel im Abstand von 7 cm in der Höhe angezeichnet und anschließend ausreichend Löcher gesetzt. Schon beim Bau war mir klar, dass ich die Position dieses Einlegebodens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie wieder verändern werde. Warum also eine komplette Lochreihe nach dem 32er-System fräsen, wenn am Ende doch nur wenige Bohrungen tatsächlich gebraucht werden?
Genau dafür brauche ich weder eine Schablone noch ein teures Frässystem.
Normale Hettich-Steckbodenträger sind 24 mm lang. Eine Bohrtiefe von 12 mm ist deshalb völlig ausreichend und in der Praxis mehr als genug.
500 Stück dieser Bodenträger kosten im Onlinehandel rund 25 Euro. Im Baumarkt werden dagegen teilweise ernsthaft 6er-Packs für 4 Euro angeboten. Nur mal so nebenbei – damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie absurd manche Preise inzwischen geworden sind.
Natürlich gibt es unzählige Varianten von Bodenträgern. Am Ende erfüllen sie aber alle denselben Zweck: Sie tragen den Einlegeboden. Keiner davon hält den Boden plötzlich besser, nur weil er besonders raffiniert aussieht oder im Baumarkt in einer schicken Blisterverpackung hängt.
Möbelgriffe
Davon habe ich im Laufe der Jahre sicher schon Hunderte verbaut – und dabei auch einiges an Lehrgeld bezahlt.
Als wir damals unsere neue Küche gekauft haben, mussten wir für jeden einzelnen Griff 39 Euro Aufpreis bezahlen. Heute kann ich darüber nur noch den Kopf schütteln. Damals wussten wir es schlicht nicht besser. Am Ende waren das ganz normale Stahlgriffe, die selbst im Baumarkt kaum mehr als 12 Euro kosten.
Natürlich gibt es bei Möbelgriffen erhebliche Qualitätsunterschiede. Der Griff auf dem Bild besteht aus verchromtem und poliertem Spritzguss. Es gibt äußerlich fast identische Modelle aber auch in einfacher Kunststoffausführung – und genau dort liegt oft der Unterschied, den man auf den ersten Blick nicht erkennt, später aber sehr wohl bemerkt.
Der Markt für Möbelgriffe ist riesig. Gerade deshalb sollte man sich bei der Auswahl Zeit lassen und nicht einfach den erstbesten Griff kaufen. Am Ende entscheidet nicht nur die Optik, sondern auch die Haptik, die Verarbeitung und die Dauerhaltbarkeit darüber, ob man mit einem Griff wirklich zufrieden ist.
Griffbohrungen
Über Jahre hinweg habe ich die Bohrungen für Möbelgriffe ganz klassisch von Hand gesetzt: anzeichnen, messen, mit dem 4-mm-Bohrer durch die Front – fertig. Das funktioniert grundsätzlich auch, solange man sauber arbeitet. Das Problem ist nur: Liegt man bei einer Bohrung auch nur einen halben Millimeter daneben, wird die Montage des Griffes schnell unerquicklich.
Natürlich könnte man gleich mit 5 mm bohren. Dann passt der Griff im Zweifel zwar leichter, dafür sitzt er unter Umständen auch sichtbar schief. Und genau darauf habe ich keine Lust.
Deshalb habe ich mir irgendwann eine einfache Bohrschablone speziell für Möbelgriffe zugelegt. So etwas wird in den üblichen Werbevideos irgendwelcher „Tischlermeister“ gern für 45 Euro oder mehr angepriesen. Meine Schablone hat bei TEMU gerade einmal 20 Euro gekostet und erfüllt ihren Zweck vollkommen problemlos.
Mehr braucht es dafür aus meiner Sicht nicht.
Rückwandverbinder
Wer sich beim Selbstbau eines Schranks an fabrikgefertigten Möbeln orientiert, stößt früher oder später auf die verschiedensten Rückwandverbinder und hält sie schnell für den normalen Standard. Genau das ist aus meiner Sicht ein Irrtum.
Der eigentliche Grund für diese ganzen Rückwandverbinder ist in den meisten Fällen nicht bessere Konstruktion, sondern schlicht möglichst billige Serienfertigung. In industriell produzierten Möbeln wird an jeder Ecke gespart – und dazu gehört eben auch die Rückwandkonstruktion. Einen sauber gefrästen Falz in einem stabilen Korpus oder Rahmen findet man dort eher selten. Und wenn ein vernünftiger Falz vorhanden ist, braucht es zusätzliche Rückwandverbinder in aller Regel überhaupt nicht mehr.
Dasselbe Spiel sieht man bei der Rückwandstärke. Früher waren 5-mm-Rückwände durchaus üblich, heute werden aus reinen Kostengründen oft nur noch 3-mm-Platten verbaut. Technisch notwendig ist das nicht – billig ist es allerdings.
Natürlich ist eine sauber eingelassene Rückwand im Schrankbau deutlich arbeitsaufwendiger als irgendeine billige Lösung mit Rückwandverbindern. Wenn man es ordentlich machen will, versieht man eben nicht einfach stumpf alle Rahmenteile rundum mit einem durchgehenden Falz. Gerade in den Ecken wird es dann etwas aufwendiger – aber genau dort zeigt sich am Ende auch, ob sauber gearbeitet wurde oder nicht.
Der Mehraufwand lohnt sich allerdings. Eine sauber eingelassene Rückwand sieht nicht nur deutlich besser aus, sondern macht den gesamten Schrank auch konstruktiv stimmiger.
Hier zeige ich nur ein Beispiel. Obwohl es sich lediglich um einen Werkstattschrank handelt, habe ich auch dort die Rückwand sauber eingelassen. Gerade bei solchen Details fängt für mich vernünftiger Möbelbau erst an.
Neues IT-System erfolgreich eingeführt
Neues IT-System erfolgreich eingeführt
Wie man sieht: Man sieht (fast) nichts.
Die Webseite wurde auf neue Hard- und Software umgestellt. Doch warum war dieser Schritt notwendig?
Der Traffic ist im Laufe der Zeit deutlich gestiegen, die Verwaltung der Inhalte wurde umfangreicher und eine grundlegende Bereinigung war längst überfällig.
Über die Jahre hatten sich zahlreiche Altlasten im Code, in den Seitenstrukturen und in den Datenbanken angesammelt. Eine einfache Löschung kam daher nicht infrage. Stattdessen war ein sorgfältiger Umzug auf ein neues System erforderlich.
Für die Arbeiten hatte ich ursprünglich drei Tage eingeplant. Dank guter Vorbereitung konnte die Webseite jedoch bereits nach knapp zwei Tagen wieder veröffentlicht werden.
Besonders erfreulich: Alle Mitglieder wurden problemlos übernommen und können die Webseite wie gewohnt nutzen.
Außerdem hat die Webseite ab sofort eine neue Adresse:
HOLZWERKER-TIPPS.DE
Selbstverständlich bleibt die bisherige Adresse holzwerkerblog.com weiterhin erreichbar und leitet automatisch auf die neue Webseite weiter.
Schrankbau für Heimwerker: Alle wichtigen Details erklärt
Schrankbau für Heimwerker: Alle wichtigen Details erklärt
Jetzt habe ich schon eine deutlich größere Werkstatt – und trotzdem reicht der Platz noch immer nicht wirklich aus.
Im neuen Waschraum steht allerdings noch genügend Fläche zur Verfügung, um dort einen Doppelschrank aufzustellen.
Auf diesem Schrank sollen künftig sowohl der Kaffeevollautomat als auch der 3D-Drucker ihren Platz finden. Das WLAN habe ich inzwischen über mehrere Repeater als Mesh-Netzwerk über das gesamte Grundstück erweitert, sodass auch dort eine stabile Verbindung vorhanden ist.
Natürlich wird auch dieser Schrank wieder in Weiß ausgeführt – gefertigt aus 19-mm-melaminbeschichteter Spanplatte mit passenden Kanten.
Auf eine massive Vollrückwand werde ich verzichten, da der Schrank ohnehin direkt an der Wand stehen wird. Dafür reicht eine einfache 5-mm-Rückwand vollkommen aus.
Kante anfahren
Soll an einer beschichteten Spanplatte eine wirklich saubere und stabile Kante entstehen, führt an einer passenden ABS-Kante kaum ein Weg vorbei.
Dabei besitzt praktisch jede Spanplatte ihre eigene, exakt abgestimmte ABS-Kante. Über die genaue Bezeichnung der Platte lassen sich die passenden Kanten beispielsweise sehr einfach bei Kantenshop finden.
Immer wieder bieten sogenannte „Holzwerker“ ABS-Kanten meterweise zu überhöhten Preisen an. Das Problem dabei: Diese Kanten passen farblich meist nicht wirklich zur verwendeten Spanplatte. Gerade bei Weißtönen gibt es enorme Unterschiede – Weiß ist eben nicht gleich Weiß.
Mit einem eigenen Kantenanleimer eröffnet sich im Möbelbau plötzlich ein völlig neuer Bereich. Erstaunlicherweise findet man dazu auf YouTube oder selbst in vielen Kursen sogenannter Tischlermeister vergleichsweise wenig wirklich hilfreiche Informationen.
Warum der Bau solcher Möbel dennoch so interessant ist?
Ganz einfach: Eine komplette beschichtete Spanplatte im Format 2700 × 2050 mm kostet oft weniger als 70 Euro. Damit lassen sich erstaunlich hochwertige und individuell angepasste Möbel bauen – und das zu einem Bruchteil vieler Fertigmöbelpreise.
alle Teile des neuen Doppelschrankes
Dies sind sämtliche Teile für den neuen Doppelschrank.
Warum ich zwei einzelne Schränke statt eines großen, durchgehenden Schranks baue? Ganz einfach: Im fertigen Ergebnis macht das praktisch keinen Unterschied, der Bau eines Doppelschranks ist jedoch deutlich einfacher.
Die einzelnen Bauteile bleiben kleiner, handlicher und lassen sich wesentlich angenehmer bearbeiten und montieren.
Die große Bodenplatte dient dabei als stabile Grundkonstruktion, auf der beide Schränke fest miteinander verbunden werden. Zusätzlich werden die beiden Schrankkörper noch miteinander verschraubt, was die Stabilität und Belastbarkeit erheblich erhöht.
Außerdem wird der komplette Doppelschrank auf vier Laufrollen stehen. Dadurch lässt sich die gesamte Konstruktion jederzeit problemlos verschieben.
Zwei der Rollen besitzen zusätzlich Feststellbremsen, sodass der Schrank später sicher an seinem Platz fixiert werden kann.
Kanten-Abrundgerät
In einer professionellen Kantenanleimmaschine – die schnell einmal 100.000 Euro oder mehr kosten kann – werden sämtliche Ecken automatisiert und extrem präzise abgerundet.
Ein solches Ergebnis lässt sich im Hobbybereich natürlich nur schwer erreichen – wenn überhaupt. Dafür liegen die Kosten meiner Verarbeitung aber auch nur bei einem Bruchteil einer industriellen Lösung.
Heute kostet ein Meter professionell bearbeitete ABS-Kante schnell etwa fünf Euro oder mehr. Meine eigene Lösung liegt dagegen bei ungefähr 30 Cent pro Meter – zuzüglich der eigenen Arbeitszeit natürlich.
Dieses kleine Hilfsgerät hatte ich zufällig im Internet als kommerzielles Produkt entdeckt. Der Preis lag bei knapp 600 Euro.
Kann man so etwas selbst bauen? Ja – genau das habe ich getan.
Zunächst entstand ein Prototyp aus Eiche, Buche, Acrylglas und stabilem HPL-Material. Anschließend habe ich daraus eine Druckdatei für den 3D-Drucker erstellt, die ebenfalls heruntergeladen werden kann.
enttäuschendes Ergebnis
Das Eckenfräsgerät habe ich gebaut um bessere Ergebnisse zu erhalten als die manuelle Arbeit.
Das Gerät selbst funktioniert wie erwartet, doch das Ergebnis ist enttäuschend. Was bin ich froh, ein solches Gerät nicht gekauft zu haben. Das wäre rausgeschmissenes Geld gewesen.
Solche Ecken hatte ich in der Verganenheit auch mit der manuellen Bearbeitung mit der Ziehklinge und dem Handschleifklotz.
Wie auch immer, ich werde das Gerät wohl entsorgen, weil es unnötig Platz verschwendet.
Falzen für die Rückwand
Die Rückwand soll in einem Falz liegen und anschließend verschraubt werden.
Eine Rückwand dient dabei nicht nur dazu, den Schrank nach hinten abzuschließen. Sie trägt auch wesentlich zur Stabilität der gesamten Konstruktion bei und verhindert, dass sich der Schrank später verzieht oder verwindet.
Verwendet wird hierfür eine einfache HDF-Platte mit 5 mm Stärke. Auf eine farbige Ausführung habe ich verzichtet – die Rückwand bleibt also schlicht braun.
Die Falze habe ich mit der Festool OF 1010 und einem entsprechend modifizierten Längsanschlag gefräst.
Besonders empfehlen kann ich dabei einen passenden Absaugadapter. Dadurch lässt sich die Oberfräse deutlich angenehmer handhaben, da der Saugschlauch sauber geführt wird und nicht ständig auf den ovalen Absaugstutzen gezwungen werden muss. Was sich die Konstrukteure dabei ursprünglich gedacht haben, erschließt sich mir bis heute nicht.
Beim Fräsen der durchgehenden Längskanten sollte man außerdem einen kleinen Trick beachten: Die ersten etwa zwei Zentimeter werden zunächst im Gleichlauf rückwärts gefräst. Dadurch lassen sich unschöne Ausrisse an der Kante weitgehend vermeiden. Anschließend kann die restliche Strecke wie gewohnt im Gegenlauf gefräst werden.
eingesetzter Falz
Deckel und Boden werden nicht durchgängig gefalzt.
Hier ist etwas Planung erforderlich, damit die Rückwand später sauber sitzt und die Proportionen stimmen. In meinem Fall sollten an den Rändern rechnerisch jeweils 11 mm Material stehen bleiben, um ein sauberes und harmonisches Erscheinungsbild zu erhalten.
Die Fräsungen für die Lamello-Verbindungen hatte ich bereits zuvor eingebracht. Auf diesen Arbeitsschritt möchte ich hier nicht weiter eingehen.
Nach dem Fräsen des Falzes folgt allerdings noch eine wichtige Nacharbeit: Die inneren Ecken müssen mit dem Stechbeitel ausgestemmt werden. Andernfalls kann die Rückwand aufgrund der runden Fräserradien nicht sauber und vollständig im Falz sitzen.
Das ist zwar eine echte Fleißarbeit und erfordert etwas Geduld, lohnt sich am Ende aber durchaus. Die Rückwand passt dadurch exakt in den Falz und der Schrank wirkt insgesamt deutlich sauberer und hochwertiger verarbeitet.
Bohrungen für die Einlegeböden
Vorweg: Ich besitze das komplette Lochreihensystem LR 32 von Festool. Damals habe ich praktisch alles gekauft, was mir in irgendeiner Form hilfreich erscheinen konnte.
Heute sehe ich das allerdings etwas differenzierter. Nach vielen Jahren der Nutzung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dieses umfangreiche System für viele Anwendungen schlicht zu teuer ist und sich in der Praxis nicht immer besonders komfortabel handhaben lässt.
Wer konsequent nach dem 32-mm-System arbeitet und regelmäßig Serienbohrungen für den Möbelbau benötigt, ist damit sicherlich gut bedient.
Für dieses Projekt brauche ich jedoch kein vollständiges 32er-System. Es geht lediglich darum, mehrere Bohrungen exakt parallel anzubringen, um später Einlegeböden einsetzen zu können.
Das lässt sich mit etwas Sorgfalt, einem Maßband und sauberem Anzeichnen ebenso zuverlässig erreichen. Nicht jede Aufgabe benötigt spezielle Schablonen oder komplexe Systeme.
Vieles von dem, was man in Videos oder von selbsternannten Experten und „Meistern“ im Internet präsentiert bekommt, entspricht meiner Erfahrung nach nicht immer den tatsächlichen Anforderungen in der Werkstatt. Oft führen einfache und bewährte Methoden genauso sicher zum Ziel.
Bohrungen anzeichnen
Einsteckhalter
Diese Einlegebodenhalter gibt es inzwischen für wenig Geld sogar als 1.000er-Pack im Internet zu kaufen. Früher habe ich solche Teile noch einzeln im Fachhandel erworben – zu Preisen, bei denen man heute nur den Kopf schütteln kann. Aber mit der Zeit wird man eben schlauer.
Die Halter sind etwa 22 mm lang und sollten idealerweise ungefähr zur Hälfte ihrer Länge im Holz sitzen. Dadurch entsteht eine stabile und ausreichend belastbare Aufnahme für die Einlegeböden.
Mit einem Durchmesser von 5 mm lassen sich die Bohrungen problemlos mit jedem handelsüblichen 5-mm-Holzbohrer herstellen.
Ein vorheriges Ankörnen der Bohrungen ist dabei durchaus sinnvoll. Dadurch läuft der Bohrer nicht weg und die Lochreihe wird deutlich präziser.
Mit dem zuvor gezeigten Körner gelingt das sehr zuverlässig. Bei vielen günstigen Modellen habe ich dagegen die Erfahrung gemacht, dass sie unpräzise arbeiten, schnell verschleißen oder keinen sauberen Körnerpunkt setzen. Ein gutes Werkzeug macht sich gerade bei solchen wiederkehrenden Arbeiten schnell bezahlt.
Topfbänder
Bohren Topfbänder
Natürlich habe ich es früher genauso gemacht wie die vielen „Meister“ im Internet – nämlich auf die möglichst komplizierte Art.
Heute sehe ich das deutlich pragmatischer. Für die Montage der Topfbänder reichen ein 5-mm-Bohrer für die Euroschrauben und ein 35-mm-Forstnerbohrer für das Topfbandloch vollkommen aus.
Mit etwas Übung lassen sich sämtliche Bohrungen sogar problemlos mit einem einfachen Akkuschrauber herstellen.
Eine Oberfräse oder andere aufwendige Spezialwerkzeuge sind dafür aus meiner Sicht völlig unnötig. Entscheidend sind sauberes Anzeichnen, sorgfältiges Arbeiten und etwas Erfahrung – nicht die Menge oder der Preis des eingesetzten Werkzeugs.
Griffe für die Türen
In der Vergangenheit habe ich bereits unzählige Möbelgriffe montiert. Bisher lief das immer nach dem gleichen Prinzip ab: messen, anzeichnen, bohren – und meistens hat es auch gepasst.
Das Anzeichnen wollte ich mir diesmal jedoch ersparen. Deshalb habe ich bei Temu eine einfache Bohrschablone für knapp 5 Euro bestellt, in der Hoffnung, mir diese Arbeit etwas zu erleichtern.
Bei diesem Projekt kam die Schablone nun erstmals zum Einsatz.
Das Ergebnis hat mich tatsächlich überrascht: Die Handhabung war denkbar einfach, die Bohrungen waren schnell gesetzt und die Griffe saßen sogar präziser als bei meiner bisherigen Methode.
Hier haben sich die investierten 5 Euro für mich definitiv gelohnt.
Allerdings hat die Schablone auch ihre Grenzen. Für breitere Griffe beziehungsweise größere Lochabstände reicht der Einstellbereich nicht aus. In solchen Fällen bleibt weiterhin nur das klassische Messen und Anzeichnen.
Schrank montieren
Die Einlegeböden passen, die Kreuzplatten sind montiert und sämtliche Fräsungen wurden nochmals kontrolliert.
Damit kann nun der eigentliche Zusammenbau beziehungsweise das Verleimen des Korpus beginnen.
Die Lamellos sowie die Kanten der Rahmenteile wurden ausreichend mit Leim versehen und anschließend passgenau zusammengesteckt. Mit den Rahmenzwingen lässt sich der Schrank bereits sehr gut ausrichten und in Form bringen, noch bevor die Rückwand eingesetzt wird.
Nach etwa einer Stunde hat der Leim genügend Festigkeit erreicht, sodass die nächsten Arbeitsschritte erfolgen können. Dennoch lohnt es sich, dem Korpus möglichst lange Zeit zum Aushärten zu geben, um spätere Spannungen oder Verformungen zu vermeiden.
Rückwand montieren
Tatsächlich passte die Rückwand exakt in den Falz. Millimetergenau.
Zum Verschrauben der Rückwand mit dem Rahmen ist ein Vorbohren zwingend. Ansonsten pilzt sich das Material beim Einschrauben auf und es gibt eine unsichere und hässliche Verbindung.
Türen montieren
Topfbänder "pimpen"
Topfband Zubehör
beide Schränke nebeneinander
Bodenplatte
gute Lenkrollen
Noch ein Wort zu den verwendeten Lenkrollen.
Natürlich ist es verlockend, einfach die günstigsten Rollen im Baumarkt zu kaufen. Wer den Schrank jedoch regelmäßig bewegen möchte, sollte auf einige wichtige Merkmale achten:
- kugelgelagerte Ausführung
- mindestens 75 mm Rollendurchmesser beziehungsweise Bauhöhe
- weiche Rollen statt Hartplastikrollen
- stabile und leicht bedienbare Bremse
- die Rolle muss im gebremsten Zustand nicht nur blockieren, sondern auch gegen Verdrehen gesichert sein
Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Eine Bremse, die lediglich das Rad blockiert, verhindert nicht, dass sich die Rolle verdreht und der Schrank trotzdem leicht bewegt.
Viele günstige Baumarktrollen erfüllen diese Anforderungen nur teilweise oder gar nicht. Deshalb bestelle ich solche Rollen lieber bei spezialisierten Händlern im Internet. Dort erhält man oftmals eine deutlich bessere Qualität zu Preisen, die kaum höher sind als im Baumarkt. Wer einmal mit hochwertigen Lenkrollen gearbeitet hat, merkt den Unterschied sofort – sowohl beim Bewegen als auch beim sicheren Stand des Möbelstücks.
Aufbau der Schränke
Einlegeboden einschieben
Bei der Größe dieser Schränke machen mehrere Einlegeböden pro Schrank aus meiner Sicht wenig Sinn.
Genauso verhält es sich mit der Höhenverstellbarkeit. Natürlich könnte man deutlich mehr Lochreihen bohren, doch welchen praktischen Nutzen hätte das? Meiner Erfahrung nach werden Einlegeböden nach dem Einbau nur selten noch einmal umgesetzt.
Deshalb habe ich mich auf die wirklich notwendigen Bohrungen beschränkt. Das spart Arbeit, sieht aufgeräumter aus und erfüllt den gleichen Zweck.
Jetzt muss ich lediglich noch die unschönen Späne und den restlichen Bohrstaub mit dem Staubsauger entfernen. Dann ist auch dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen.
Wie so oft steckt in einem solchen Schrank deutlich mehr Arbeit, als man später auf den ersten Blick erkennt. Dafür erhält man am Ende jedoch ein Möbelstück, das exakt den eigenen Anforderungen entspricht, stabil gebaut ist und viele Jahre seinen Dienst verrichten wird.
mehr Platz in der Werkstatt
Gartenbank aus Meranti – Schritt für Schritt
Gartenbank aus Meranti – Schritt für Schritt
Leimholz herstellen
Leimen ist gar nicht so einfach. Wer schon einmal versucht hat, zwei Bretter über die volle Breite zu verleimen, weiß, dass sie beim Festziehen der Zwingen leicht „verrutschen“. Eine bündige Verleimung zu erzielen, ist daher eine Herausforderung.
Um das zu vermeiden, habe ich zunächst mit der Festool DF 500 Dübellöcher in die Teile gebohrt, um die Bretter zu fixieren. Die Dübel habe ich so gesetzt, dass sie bei der weiteren Bearbeitung nicht wieder aufgetrennt werden. Schrauben oder Drahtstifte kommen für mich nicht in Frage.
Holz für Bögen doppeln
Für die beiden Bögen der Armlehnen habe ich breiteres Holz zugeschnitten. Dabei musste die Maserung stimmen, und die Dicke entspricht genau der der bereits gehobelten Stützen.
Aber wie bringt man die richtigen Radien aufs Holz? Ich habe das Rollmaßband von Festool verwendet – damit lassen sich Kreise sauber anzeichnen.
Und wie die Bögen sauber zuschneiden, wenn keine Bandsäge zur Verfügung steht? Mit der Dekupiersäge! Bei so dickem Holz ist das schon eine Herausforderung – nicht für die Säge selbst, sondern für die Geduld des Holzwerkers.
Bogen sägen
Mit einem groben Sägeblatt ging es ans Werk – immer dicht an der vorgezeichneten Linie entlang. Das Blatt frisst sich dabei langsam durch das Holz. Dabei musste ich zwar recht viel Druck ausüben, was jedoch kleine Nachteile mit sich bringt: Der Schnitt kann leicht bauchig werden und ist nicht ganz senkrecht. Das ist aber kein Problem, denn die Armlehnen werden ohnehin noch geschliffen.
Die Dekupiersäge von Proxxon ist dabei eine echte Hilfe: kraftvoll, leise und mit kaum spürbaren Vibrationen. Der Spaß an der Arbeit stellt sich allerdings erst nach und nach ein – es erfordert ein wenig Übung, um richtig damit umzugehen.
Montieren
Die kleinen Stufen lasse ich jetzt weg. Alle Teile der Rückenlehne sind lackiert, sodass mit dem Verleimen begonnen werden kann. Dafür verwende ich Propellerleim, der länger offen bleibt und meiner Meinung nach eine stabilere Verbindung ermöglicht.
Außerdem habe ich neue Schraubzwingen von Bessey gekauft, ausgestattet mit den praktischen Plastikgriffen. Damit tausche ich nach und nach meine alten „Billigzwingen“ aus.
Alle notwendigen Teile sind inzwischen fertig zugeschnitten, gefräst und geschliffen. Die Oberflächen fühlen sich glatt wie ein Babypopo an.
Nun folgt die Lackierung – selbstverständlich noch vor dem endgültigen Zusammenbau.
Das hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen lassen sich die einzelnen Teile wesentlich bequemer auf dem Arbeitstisch lackieren, zum anderen vermeidet man unschöne Farbnasen, Lackansammlungen oder sichtbare Pinselansätze, die sich später nur schwer korrigieren lassen.
Ich habe tatsächlich schon Schreiner gesehen, die Möbel erst nach dem vollständigen Zusammenbau geölt haben – das Ergebnis war alles andere als überzeugend.
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Tipps für ein sauberes Lackierergebnis
Staubfrei arbeiten
Vor dem Lackieren sollten sämtliche Teile gründlich abgewischt oder abgeblasen werden. Bereits kleinste Staubkörner setzen sich sonst sichtbar im Lack fest.
Zwischenschliff nicht vergessen
Nach der ersten Lackschicht empfiehlt sich ein leichter Zwischenschliff mit feinem Schleifpapier in etwa 320er- bis 400er-Körnung. Dadurch verbessert sich die Haftung der nächsten Schicht und die Oberfläche wird deutlich glatter.
Lieber mehrere dünne Schichten
Mehrere dünn aufgetragene Lackschichten führen fast immer zu einem besseren Ergebnis als eine einzige dicke Schicht. So vermeidet man Läufer, Nasen und unsaubere Übergänge.
Gleichmäßig arbeiten
Pinsel oder Lackrolle sollten ruhig und in langen, gleichmäßigen Bahnen geführt werden. Bereits lackierte Stellen möglichst nicht ständig erneut überarbeiten.
Trockenzeiten einhalten
Geduld zahlt sich beim Lackieren aus. Jede Schicht sollte ausreichend durchtrocknen, bevor weitergearbeitet wird – nur so entsteht am Ende ein wirklich sauberes Finish
Die Rückenlehne hat insgesamt 15 Streben. Damit alle gerade und spaltfrei sitzen, habe ich die Längsteile zuvor mit Domino-Dübeln versehen. Anschließend wurden die Teile so verleimt, dass kein Leim herausquillt – sauber wie bei einer „Zapfenverbindung“.
So entsteht eine perfekte Ausgangsposition, um die einzelnen Streben zu verleimen – und das ganz ohne Zeitdruck.
Nachdem die Rückenlehne mit den 15 Streben verleimt war, habe ich die Fräsungen für die Domino-Dübel in die Seitenteile gesetzt. Dort kommen SIPO-Dübel hinein – die halten deutlich länger. Buchen-Dübel in Meranti zu verwenden, macht dagegen wenig Sinn, da sie bei Feuchtigkeit schnell verrotten.
Das Verleimen der Bank selbst ging dann eigentlich schnell. Mit den Spanngurten war schon genug Druck auf den Teilen, um alles fest zusammenzufügen.
Nach dem Montieren der Sitzbretter war die Gartenbank schließlich fertiggestellt. Ein letzter Überzug mit der noch leicht feuchten Lackrolle über kleine Flecken oder Übergänge – und die Arbeit war abgeschlossen.
Eine komplette Gartenbank aus massiven Meranti-Balkonbrettern in 195 × 27 mm – genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Dabei haben sich die Domino-Dübel gegenüber klassischen Lamellos für mich deutlich überlegen gezeigt. Mit ihnen lassen sich wesentlich stabilere und präzisere Verbindungen herstellen, die fast an klassische Zapfenverbindungen heranreichen.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch der passende Platz, um dieses Schmuckstück im Garten aufzustellen.
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Runden Tisch selbst bauen: Bauanleitung für Heimwerker
runden Tisch selber bauen
Vor einigen Jahren habe ich einen runden Gartentisch gebaut, auf den ich damals mächtig stolz war: Komplett aus Meranti, die Platten aus selbst hergestelltem Leimholz. Optisch ein Highlight, aber technisch leider eine Fehlkonstruktion, wie sich über die Saisons herausstellte.
Wenn die Witterung gewinnt
Holz lebt, und im Außenbereich lebt es gefährlich. Durch die ständig wechselnde Feuchtigkeit und Temperatur haben sich die Platten massiv deformiert. Da ich damals auf Verstärkungen (wie Gratleisten) unter der Platte verzichtet hatte, konnte das Holz ungehindert "wandern". Das Ergebnis: Der Tisch war wortwörtlich komplett aus der Form geraten.
Die Rettungsmission: Aus Alt mach Stabil
Die gute Nachricht: Die Beine sind noch in einem hervorragenden Zustand. Warum also alles wegwerfen? Für den Neubau setze ich auf eine Kombination aus bewährtem Bestand und moderner Materialwahl.
Was ich diesmal anders mache
Multiplex im Außenbereich ist zwar dankbarer als Massivholz, braucht aber die richtige Behandlung. Mein Fokus liegt diesmal auf dem konstruktiven Holzschutz:
Kantenversiegelung: Die Schnittkanten werden penibel geschliffen und versiegelt, damit keine Feuchtigkeit in die Schichten zieht. Als Grundierung werde ich die von Wilckens verwenden um das Holz wirklich zu "verschließen"
Oberflächenschutz: Eine hochwertige Beschichtung schützt das Material vor UV-Strahlung und Nässe. Der nach meiner Erfahrung heraus beste Lack ist der von SIKKENS als Fenster- und Türenlack. Dieser Lach bleicht in der Sonne nicht aus, ist sehr elastisch und behält seinen seidigen Glanz.
Das MPX habe ich bei meinem Holzhändler im Rest erworben. Zuschnitt wäre viel zu teuer. Die beiden Platten haben eine Seitenlänge von 700mm und sind 23 mm stark.
Tischplatte fräsen
Nachdem ich den Kreis angezeichnet hatte, habe ich den Rand zunächst grob mit der Stichsäge entlang des Anrisses entfernt. Das macht das anschließende Fräsen deutlich komfortabler.
Interessanterweise hatten meine teuren, frisch geschärften Fräser echte Probleme mit dem Material – der Vorschub stockte und es kam zu Brandflecken. Multiplex zu fräsen ist eben immer eine Herausforderung und nicht gerade ideal für das Werkzeug.
Daher kam ein 8-mm-Fräser zum Einsatz, den ich vor kurzem bei Temu bestellt hatte. Ich war gespannt, wie er sich bewähren würde. Das Ergebnis war beeindruckend: Der Fräser arbeitete ausgezeichnet, ließ sich weich und zügig führen und hinterließ keinerlei Brandspuren.
Gearbeitet habe ich auf dem Festool VAC-SYS. Dieser Vakuum-Spanntisch hält das Werkstück absolut sicher an Ort und Stelle – eine Anschaffung, die ich nie bereut habe, auch wenn Festool das System offenbar nicht mehr im Programm führt.
Frässchablone für Kreisausschnitte
Eigentlich lassen sich mit der Festool MFS 400 (Multifunktionsschablone) ganz passabel Kreise fräsen. In diesem Fall war die Schablone jedoch schlichtweg zu kurz.
Zum Glück hatte ich mir vor einiger Zeit eine eigene Fräsvorrichtung für größere Radien gebaut. Ein wirklich praktisches Teil – und im direkten Vergleich ging mir die Arbeit damit sogar besser von der Hand als mit der Original-Schablone von Festool.
Bisher habe ich über den Bau dieser Vorrichtung keinen Beitrag veröffentlicht, da ich fälschlicherweise dachte, das Thema sei zu trivial oder nicht interessant genug. Da ich aber noch alle Fotos vom Bau habe, könnte ich das bei Interesse gerne nachholen.
Ausklinken für die Tischbeine
Die untere, kleinere Platte wird über Einschiebeverbindungen in die Tischbeine eingehängt. Diese Verbindungen müssen nun in die Platte eingearbeitet werden – 23 mm breit und 20 mm tief.
Da die Kappsäge hier nicht eingesetzt werden kann, erfolgt die Bearbeitung von Hand mit der Japansäge und dem Stechbeitel. Wer schon einmal mit Multiplex gearbeitet hat, weiß, wie widerspenstig dieses Material beim Stemmen sein kann. Die kreuzweise verleimten Schichten machen es dem Beitel schwer, eine saubere Kante zu finden.
Um das Material dennoch präzise zu entfernen, habe ich mehrere Entlastungsschnitte mit der Japansäge gesetzt. So lassen sich mit dem Stechbeitel immer nur kleine Stücke herauslösen, was hervorragend funktioniert hat – auch wenn es natürlich seine Zeit dauert.
Senkrecht zu sägen ist mit etwas Übung eigentlich kein Problem. Heutzutage werden zwar oft teure Sägehilfen aus dem 3D-Drucker angeboten, aber meiner Meinung nach ist das – besonders bei einer Schnitttiefe von nur 20 mm – absolut nicht notwendig. Früher habe ich auch jeden angebotenen Artikel gekauft, aber heute verlasse ich mich lieber auf mein Handmaß und die Erfahrung.
Kanten runden
Die Verbindungen für die Tischbeine passen hervorragend. Die Kanten der Platten habe ich noch vor dem Schleifen mit der kleinen DeWalt-Oberfräse und einem 3-mm-Abrundfräser bearbeitet.
Für solche leichten Kantenarbeiten ist eine kompakte Fräse mehr als ausreichend und deutlich handlicher als die großen Maschinen.
Schleifen aller Teile
Diesen Linearschleifer LS 130 von Festool habe ich bereits 2011 gekauft, ursprünglich um unser Haus zu schleifen. Er eignet sich hervorragend für schmale Kanten wie diese – das Ergebnis ist absolut überzeugend.
Auf den Bildern erkennt man auch gut die Bohrungen des „Undercover Jig“, die ich für die Befestigung der unteren Platte an den Tischbeinen genutzt habe. Sicherlich nicht die ästhetischste Verbindung, aber ungemein einfach und praktisch in der Umsetzung.
Das Set von Wolfcraft habe ich vor vielen Jahren noch recht preisgünstig erworben. Heute würde ich allerdings zur Aluminiumausführung von Temu greifen – die ist mittlerweile nicht nur günstiger, sondern oft sogar besser verarbeitet als die Kunststoff-Varianten.
Geschliffen habe ich letztendlich mit dem Schleifer von Festool ETS 150.
Multiplex grundieren
Nach dem Endschliff mit dem großen Exzenterschleifer und dem manuellen Nachschleifen der Rundungen habe ich alle Teile grundiert.
Früher bin auch ich auf das Versprechen der „3-in-1“-Lacke hereingefallen, aber meiner Erfahrung nach taugen diese Produkte wenig. Auch bei Grundierungen gibt es massive Qualitätsunterschiede; ich bin letztlich bei der Wetterschutz-Isolierung von Wilckens hängengeblieben, mit der ich sehr zufrieden bin.
Da jede Schicht vor dem nächsten Anstrich trocknen muss, beschleunige ich diesen Vorgang einfach mit einer Heißluftpistole. Bei voller Leistung und ausreichendem Abstand zur Oberfläche ist die Grundierung bereits nach wenigen Minuten überlackierbar.
Aber Vorsicht: Die Oberfläche fühlt sich dann zwar trocken an, ist aber noch lange nicht vollständig durchgehärtet! Man sollte also trotz der Zeitersparnis mit Bedacht weiterarbeiten.
Lackierung
Selbst der beste und teuerste Lack deckt nicht beim ersten Anstrich. Ich verwende hier den Fenster- und Türenlack von Sikkens – sicher nicht billig, aber qualitativ wirklich überragend.
Viele machen den Fehler, sofort zu viel Lack aufzutragen, um eine schnelle Deckung zu erzwingen, doch das führt selten zum Ziel. Lackieren bedeutet im Grunde nichts anderes, als Farbpigmente innerhalb einer fließfähigen Masse gleichmäßig auf der Fläche zu verteilen. Das Geheimnis liegt darin, den Lack ohne Schichtdickenunterschiede auszurollen: also rollen, rollen, rollen.
Dieser Tisch hat am Ende vier Lackschichten erhalten, und das Ergebnis ist eine einmalig gute Oberfläche. Der Sikkens-Lack verläuft nach dem Auftrag absolut gleichmäßig und bildet einen wunderschönen, seidigen Glanz. Zudem ist er extrem wetterfest und bleicht nicht aus.
Zusammenbau: Platte und Beine
Zuerst habe ich die Tischbeine mit der unteren Platte verschraubt. Die Taschenloch-Verschraubungen sind nun verdeckt, sodass kein Wasser mehr an diese Stellen gelangen kann. In diesem Stadium ist die absolute Rechtwinkligkeit noch nicht entscheidend, da die Beine erst durch die Verbindung mit der oberen Tischplatte final ausgerichtet werden.
Diese Verbindung realisiere ich mit Domino-Dübeln, die für die nötige Stabilität und Präzision sorgen.
Obwohl der hochwertige Lack das Multiplex nun für einige Jahre vor der Witterung schützen wird, bin ich mir bewusst, dass ein solcher Tisch im Freien nur eine begrenzte Zeit ansehnlich bleiben kann. Holz im Außenbereich bleibt eben ein vergängliches Material.
Zusammenbau. Tischlatte
Die 10er-Dominos haben eine Länge von 50 mm, während die Tischplatte nur 23 mm stark ist. Hier musste ich also mit unterschiedlichen Frästiefen arbeiten: In die Tischplatte habe ich 20 mm tief gefräst, in die Tischbeine 28 mm. Das bedeutete, dass der Domino insgesamt 2 mm zu lang war – also habe ich die Dübel kurzerhand ein Stück abgelängt, und schon passte alles perfekt.
Wenn der Lochkreis exakt stimmt – was hier der Fall war –, ziehen sich die Tischbeine beim Zusammenbau automatisch in den rechten Winkel.
Vielleicht fragt sich der eine oder andere, wie stabil eine Dübelverbindung zwischen Beinen und einer bereits lackierten Platte ist. Dazu kann ich nur sagen: Allein durch die sechs Domino-Verbindungen sitzt die Platte so fest, dass man den Tisch problemlos daran anheben kann. Mehr Last muss diese Verbindung in der Praxis gar nicht aufnehmen.
Tisch unter Zwingen
Natürlich müssen die Tischbeine eine absolut sichere Verbindung zur Platte haben, weshalb die Dominos in ausreichend Leim gesetzt wurden. Zwar konnte ich die Beine bereits mit dem Gummihammer sehr nah an die Platte bringen, doch selbst ein minimaler Spalt von einem Zehntelmillimeter würde dazu führen, dass der Tisch später wackelt.
Deshalb habe ich alle Tischbeine zusätzlich mit Zwingen fest gegen die Tischplatte gepresst. So ist garantiert, dass die Beine exakt im 90-Grad-Winkel sitzen und die Verbindung vollflächig schließt. Nach etwa einer Stunde konnten die Zwingen bereits wieder entfernt werden.
Da die Zwingen leichte Druckstellen auf der Tischplatte hinterlassen hatten, habe ich abschließend noch eine weitere, dünne Lackschicht aufgetragen. Danach waren die Spuren vollständig verschwunden und die Oberfläche perfekt.
fertiger runder Beistelltisch
So einfach kann der Bau eines runden Beistelltisches sein.
Grundsätzlich sollte man vorsichtig sein, wenn man zwei verschiedene Holzarten miteinander verbindet. In diesem Fall ist das jedoch unproblematisch: Die Tischbeine bestehen aus Meranti und sind so konstruiert, dass sie sich unabhängig von den Platten frei bewegen können. Spannungen im Material werden dadurch vermieden.
Damit ist wieder ein schönes Projekt erfolgreich beendet.
Sollte jemand Interesse an dem detaillierten Bauplan haben – meldet euch einfach!
vom großen Tisch zum kleinen Tisch – Holz im Außenbereich
vom großen Tisch zum kleinen Tisch
Ich habe vor kurzem einen Tisch aus massiver Lärche gebaut. Das Ergebnis war anfangs beeindruckend – massiv, stabil, mit hochwertiger Lasur veredelt. Doch heute, kurze Zeit später, muss ich konstatieren: In meinen Augen ist das Stück nur noch Schrott.
Breite Risse, aufgeplatzte Lasur und geschüsselte Planken. Warum passiert das bei so massiven Material so schnell? Hier ist meine schonungslose Analyse für alle Holzwerker, die vor ähnlichen Projekten stehen
Die drei Hauptprobleme bei massiver Lärche
- Die Schüsselbildung (Das Arbeiten des Holzes) Massive Planken haben enorme Kraft. Wenn das Holz einseitig Feuchtigkeit aufnimmt oder abgibt (oben Sonne/Wind, unten Schatten/Feuchte), krümmt es sich – es "schüsselt". Je breiter und dicker die Planke, desto weniger kann die Verschraubung diese physikalische Kraft halten. Lärche arbeitet im Vergleich zu Eiche oder Tropenhölzern sehr nervös.
2. Das Lasur-Dilemma Eine Schichtlasur bildet einen Film. Wenn massives Holz im Außenbereich arbeitet und reißt (was bei Lärche fast unvermeidlich ist), reißt die Lasur mit. Durch diese winzigen Haarrisse dringt Wasser ein, kann aber unter dem restlichen Film nicht mehr entweichen. Die Folge: Die Lasur platzt großflächig ab, und das Holz darunter beginnt zu gammeln.
3. Innere Spannungen und Rissbildung Lärche neigt zu starken inneren Spannungen. Wenn die Planken zu schnell trocknen oder extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, entladen sich diese Spannungen in tiefen Längsrissen. Massive Querschnitte verstärken diesen Effekt, da der Kern der Planke noch feucht ist, während die Flanken bereits schwinden.
Mein Fazit für die Praxis
Wer im Außenbereich baut, sollte aus diesem "Schrott" lernen:
- Konstruktiver Holzschutz vor Chemie: Wasser muss sofort ablaufen können. Staunässe ist der Tod jeder Lasur.
- Schmale Lamellen statt breite Planken: Um das Schüsseln zu minimieren, ist es oft besser, breite Platten aus schmaleren, gestürzten Lamellen zu verleimen oder mit Fugen zu arbeiten.
- Lackieren statt Lasieren: Bei Hölzern, die stark arbeiten, sind gute Lacke oft die bessere Wahl, da sie nicht abplatzen können und das Holz "atmen" lassen.
Mein Tisch dient mir nun als mahnendes Beispiel: Man kann gegen die Natur des Holzes nicht anbauen.
Neuanfang: Upcycling statt Entsorgung
Nachdem ich den Tisch mit nur wenigen Handgriffen zerlegen konnte, stellte sich die Frage: Wohin mit dem Holz? Wegwerfen kam für mich nicht infrage, und mein Holzlager ist bereits mehr als gut gefüllt.
Die Lösung fand sich in einem Restbestand: Vom Bau meiner Aufsatz-Hobelbank hatte ich noch eine Platte Bangkirai übrig. Diese Kombination aus dem "erfahrenen" Lärchenholz und dem stabilen Bangkirai wird nun zu etwas Neuem: Ein rechteckiger Beistelltisch für die Sitzecke direkt vor meiner Werkstatt.
Tischplatte als Leimholz
Um die alte Leimholzplatte aus Bangkirai wieder nutzbar zu machen, habe ich sie erneut aufgeschnitten. Mit der Tauchsäge direkt an den alten Leimstellen angesetzt, erhält man wieder exakt gerade Kanten und eine perfekt plane Basis für die neue Tischplatte. Für den Zusammenbau nutze ich Lamellos – allerdings nicht zur statischen Verbindung, sondern lediglich zur präzisen Zentrierung der "Planken" beim Verleimen.
Manchmal muss man ein Projekt erst scheitern sehen, um den Platz und die Idee für etwas Besseres zu schaffen.
Verleimen der Platte
Für den Zusammenbau nutze ich heute Lamellos. Früher, ohne Lamellofräse, habe ich die Zentrierung oft mit Domino-Dübeln realisiert, was jedoch im Vergleich viel zu teuer und aufwändig ist – die Lamellofräse hat sich hier als wahrer Allrounder bewährt. Die Flachdübel dienen dabei lediglich der präzisen Zentrierung beim Verleimen.
Beim eigentlichen Verleimvorgang wurde die Platte beidseitig mit Zwingen unter Druck gesetzt. Überschüssiger Leim lässt sich am besten sofort mit einem feuchten Tuch entfernen. Um ein erneutes Schüsseln während der Trocknung direkt zu unterbinden, habe ich zusätzlich kleine Zwingen an den Rändern gesetzt, die die Planken plan in Position halten.
Oberfläche säubern und glätten
Nach dem Abbinden des Leims und dem Entfernen der Zwingen ging es an das Finish. Die Oberflächen wurden sofort gesäubert und mit der ROTEX 125 geglättet. Dabei habe ich 100er Schleifmittel verwendet, das ich bei TEMU bestellt habe. Es ist erstaunlich, wie preisgünstig man dort gute Qualität bekommt – deutsche Online-Shops sind im direkten Vergleich oft massiv überteuert. Die ROTEX nimmt im Grobgang ordentlich Material ab, man muss jedoch zügig arbeiten, um keine Dellen einzuschleifen. Hier zahlt sich die präzise Vorarbeit aus: Die Zentrierung und das exakte Hobeln ersparen mir nun massiv viel Nacharbeit beim Schleifen.
Ecken abrunden
Nachdem ich die Tischplatte mit der Tauchsäge und Führungsschiene auf Maß gebracht hatte, ging es an das Abrunden der Ecken.
Vor einiger Zeit hatte ich mir dafür extra einen Satz Frässchablonen von KREG zugelegt. Diese liegen heute allerdings nur noch als "mahnendes Beispiel" im Schrank – für präzises Arbeiten sind sie meiner Meinung nach völlig ungeeignet (warum, habe ich euch in [diesem Beitrag] verlinkt).
Stattdessen vertraue ich auf meine selbstgebaute Schablone, die mir schon seit zehn Jahren treue Dienste leistet. Um die Fräszeit zu verkürzen und das Werkzeug zu schonen, habe ich die groben Ecken vorab mit der Japansäge entfernt.
Kopierfräser von TEMU
Für das Abrunden der Ecken greife ich zur Festool OF 1010. Sie ist für diese Arbeit perfekt: Die Leistung reicht locker aus, und sie bleibt dabei extrem handlich.
Beim Fräser selbst habe ich diesmal ein Experiment gewagt und ein Modell von TEMU eingesetzt. Ehrlich gesagt war ich anfangs skeptisch – gerade bei den hohen Drehzahlen einer Oberfräse ist Qualität eigentlich Pflicht. Aber ich muss sagen: Ich bin begeistert. Der Fräser liefert ein sauberes Ergebnis und das zu einem absoluten Spottpreis. Vergleicht man das mit deutschen Markenfräsern, die oft das Doppelte oder Dreifache kosten, ist das eine echte Ansage.
fertige Kanten
Das Kantenfinish bei Bangkirai
Die umlaufenden Kanten habe ich anschließend mit einem 3mm-Abrundfräser bearbeitet. Eine Besonderheit bei Bangkirai: Beim Fräsen bleiben fast immer feine, scharfe Splitter stehen. Diese lassen sich aber glücklicherweise sehr leicht mit einem Schleifklotz und 220er Schleifpapier von Hand entfernen.
Die Platte ist nun bereit für den Zusammenbau. Bevor es ans Grundieren und Lackieren geht, bekommt die gesamte Oberfläche natürlich noch ihren finalen Feinschliff.
Tischbeine aus Lärche
Die alten Planken habe ich auf Tischbeinhöhe abgelängt und anschließend im Dickenhobel auf eine exakt einheitliche Stärke gebracht. Dabei wurde auch die unschöne, alte Lasur vollständig entfernt.
Ein Wort zum Oberflächenschutz
Nach jahrelanger Erfahrung kann ich eines sicher sagen: Es gibt keine dauerhaft haltbare Lasur für den Außenbereich. Selbst teure Produkte, wie etwa von OSMO, blättern nach spätestens zwei Jahren ab. Wer eine wirklich beständige Oberfläche möchte, sollte auf einen guten, flexiblen Decklack setzen, wie man ihn für Fenster und Türen verwendet. SIKKENS ist hier für mich das Maß der Dinge und der absolute Hit für Projekte, die der Witterung trotzen müssen.
Massive Tischbeine durch Aufdoppeln
Bei den Tischbeinen für den Beistelltisch gab es eine kleine Planänderung: Die ursprünglich vorgesehene Lärche war mir mit 40 mm Stärke am Ende doch zu dünn für die Optik. Um mehr Masse zu bekommen, habe ich mich für das Aufdoppeln entschieden.
Dazu habe ich die Kanteln zunächst auf der Tischkreissäge mittig aufgetrennt. Für das anschließende Verleimen kamen Lamellos zum Einsatz – allerdings nicht für die Stabilität, sondern rein als Zentrierhilfe. So verrutschen die Hälften beim Zwingen nicht und ich behalte auf einer Seite eine saubere Referenzfläche. Das spart später beim Durchlassen durch den Dickenhobel ordentlich Arbeit und Material.
Holzverbindungen
Ich rechne damit, dass dieser Tisch im Außenbereich etwa drei Jahre ohne nennenswerte Verzüge oder Schäden übersteht. Dennoch gehe ich bei den Holzverbindungen keine Kompromisse ein: Da sich Domino-Dübel im Freien erfahrungsgemäß immer etwas ausdehnen, sichere ich die Zwischenstreben zusätzlich per ‚Hidden Jig‘-Verschraubung ab. Auf Lamellos verzichte ich hier bewusst – im Gegensatz zu den SIPO-Dominos bestehen diese aus Buche und sind damit für den Außeneinsatz ungeeignet
Passprobe und Vorbereitung der Oberfläche
Nachdem alle Teile zugeschnitten sind, folgt der Moment der Wahrheit: die Trockenübung. Ich habe die Bauteile grob so angeordnet, wie sie später zusammengefügt werden. Das Ergebnis überzeugt – alles passt perfekt!
Bevor es an den Zusammenbau geht, starte ich mit der Farbgebung. Alle Teile erhalten zunächst eine Grundierung, um eine optimale Basis zu schaffen. Für das Finish habe ich mich für ein zweifarbiges Design entschieden: Der Rahmen wird in Cremeweiß abgesetzt, während die Tischplatte in Anthrazitgrau einen modernen Kontrast bildet. Damit das Ganze auch witterungsbeständig bleibt, vertraue ich hier auf den bewährten Fenster- und Türenlack von SIKKENS.
Rahmen verleimen
Auf die Details des Lackierens bin ich hier nicht näher eingegangen, aber der Prozess war gewissenhaft: Das Holz wurde zunächst grundiert, per Hand nachgeschliffen und anschließend in drei Schichten lackiert.
Der Zusammenbau gestaltete sich recht unkompliziert. Die Beine sind mittels Dominos mit dem Rahmen verbunden. Im gespannten Zustand habe ich die Bauteile zusätzlich verdeckt verschraubt, um maximale Stabilität zu gewährleisten.
Ein wichtiger Hinweis zur Handhabung: Der Tisch sollte im aufgebauten Zustand keinesfalls geschoben werden. Es ist besser, ihn zum Verstellen anzuheben. Andernfalls können durch die Hebelwirkung enorme Kräfte auf die Tischbeine wirken, die dazu führen, dass sich die Verbindungen verdrehen oder lockern. Das sollte man bei der Nutzung unbedingt beachten.
Für die Verbindung von Rahmen und Tischplatte waren die Löcher bereits vorgebohrt. Da ich jedoch keine ausreichend langen Schrauben zur Hand hatte, musste ich improvisieren: Ich habe den Senker so eingestellt, dass er ein tiefes Sackloch bohrt. Dadurch konnte ich den Schraubenkopf tief genug im Holz versenken, um die Platte sicher zu greifen.
Nachdem der Rahmen präzise auf der Platte ausgerichtet war, ließ er sich problemlos verschrauben.
Allerdings stellt diese starre Verschraubung die kritischste Stelle der gesamten Konstruktion dar. Holz ist ein lebendiger Werkstoff und arbeitet bei Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und Temperatur in der Breite deutlich stärker als in der Länge. Ohne entsprechende Vorkehrungen können hier Spannungen entstehen, die im schlimmsten Fall zu Rissen in der Platte führen.
fertiger Beistelltisch
Damit ist der Bau des Beistelltisches abgeschlossen. Ein letztes Detail fehlt jedoch noch: Um unschöne Flecken auf dem Pflaster zu vermeiden, werde ich noch passende Gleiter unter die Tischbeine montieren.
Aktuell steht der Tisch noch in meiner Werkstatt. Obwohl die Oberfläche bereits staubtrocken ist, benötigt der Lack noch Zeit, um vollständig durchzuhärten. Erst nach der chemischen Aushärtung ist er gegen Witterungseinflüsse und Regen gewappnet. Eigentlich sollte man dem Lack fünf Tage Ruhe gönnen – in diesem Fall muss er jedoch bereits nach zwei Tagen nach draußen umziehen. Ich werde also ein besonders wachsames Auge auf die Oberfläche werfen.



















































































