Festool-Werkzeuge

ist Festool noch an der Spitze?

Jeder Leser meines Blogs kennt meine Vorliebe für Festool-Werkzeuge. Im Laufe der Jahre habe ich mehr als 30 Produkte bei Festool registriert.

An der Qualität der Werkzeuge gibt es für mich nach wie vor keinen Zweifel. Allerdings hat sich der Qualitätsvorsprung gegenüber anderen Markenherstellern in den vergangenen Jahren deutlich verringert.

Der deutsche Markt wird derzeit zunehmend von US-Marken wie Milwaukee erobert. In den USA gehört Milwaukee seit Jahren zu den führenden Herstellern von Elektrowerkzeugen und gewinnt inzwischen auch hierzulande immer mehr Anhänger.

Mit seiner konsequenten Hochpreispolitik und der zunehmenden Verlagerung der Produktion nach Asien hat Festool nach meiner Einschätzung jedoch viele deutsche Handwerker und ambitionierte Heimwerker verloren. Die Kunden erwarten bei Premiumpreisen nicht nur erstklassige Qualität, sondern häufig auch eine Fertigung „Made in Germany“ oder zumindest „Made in Europe“.

Festool Sägeblatt - Alternative

gibt es Alternativen?

Natürlich konnte ich mir damals schon diese teuren Maschinen leisten und war fest davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Nicht aufgrund eigener Fachkenntnisse, sondern weil in unzähligen Videos und Beiträgen von Tischlermeistern fast ausschließlich Festool empfohlen wurde. Die Frage nach möglichen Alternativen stellte sich für mich damals gar nicht.

Heute sehe ich das deutlich differenzierter. Festool hat in den vergangenen Jahren nur wenige echte Innovationen vorgestellt. Meist handelt es sich um Modellpflege oder kleinere Verbesserungen bestehender Maschinen. Gleichzeitig haben andere Hersteller bei Qualität, Ausstattung und Verarbeitung erheblich aufgeholt.

Für den ambitionierten Heimwerker, der sein Hobby in der Freizeit ausübt, muss es deshalb nicht zwangsläufig das teuerste Werkzeug sein. Ein Akkuschrauber von Makita oder einem anderen namhaften Hersteller erfüllt viele Aufgaben genauso zuverlässig und kostet oft weniger als die Hälfte eines vergleichbaren Festool-Geräts.

Ein gutes Beispiel sind Sägeblätter: Für ein passendes Original-Sägeblatt von Festool sollte ich 198 Euro bezahlen. Ein qualitativ gleichwertiges Sägeblatt eines anderen Herstellers kostete dagegen lediglich 54 Euro. Im praktischen Einsatz konnte ich keinerlei Unterschiede bei der Schnittqualität feststellen.

Holzwerker wohin

Hochpreispolitik

„Was nichts kostet, taugt nichts.“

Genau so habe ich damals auch gedacht. Heute bin ich darüber allerdings bitter enttäuscht – vor allem über mich selbst.

Die Preise, die Festool inzwischen für viele Zubehörteile aufruft, liegen aus meiner Sicht jenseits von Gut und Böse. Sicher gibt es nach wie vor überzeugte Festool-Fans, die bereit sind, beispielsweise 82 Euro für eine einzelne Zwinge zu bezahlen.

Ich habe mich stattdessen nach Alternativen umgesehen und entsprechende Zwingen bei Temu für rund 15 Euro gekauft. Nach meiner Erfahrung stehen sie dem Original in Funktion und Verarbeitung in nichts nach.

Diese Hochpreispolitik zieht sich für mich durch das gesamte Festool-Sortiment. Und nach mehr als 30 registrierten Festool-Produkten und vielen Jahren praktischer Erfahrung glaube ich, mir darüber ein fundiertes Urteil erlauben zu können.

Kappsäge

Service bei Festool

Der Service bei Festool war bis vor einigen Jahren aus meiner Sicht vorbildlich. Kompetente Mitarbeiter nahmen sich telefonisch der Probleme an, gaben hilfreiche Tipps zur Selbsthilfe oder leiteten bei Bedarf sofort eine Reparatur ein.

Heute ist von diesem Serviceverständnis nach meiner Erfahrung nicht mehr viel übrig.

Mein letzter Fall betraf eine defekte Oberfräse OF 2200, die plötzlich nicht mehr anlief. Nach fünf Tagen erhielt ich von Festool per E-Mail einen Kostenvoranschlag über 420 Euro für die Reparatur. Zu diesem Preis ließ ich die Maschine dort nicht instand setzen. Für einen ähnlichen Betrag bekommt man bereits eine neue Oberfräse eines anderen Markenherstellers.

Nachdem die Maschine wieder bei mir angekommen war, zerlegte ich sie selbst, um den Fehler zu suchen. Zu meiner Überraschung konnte ich keinen technischen Defekt feststellen. Die Oberfräse war lediglich im Inneren stark verschmutzt, was nicht verwundert, da sie jahrelang kopfüber unter meinem Frästisch montiert war.

Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass keine gründliche Fehlersuche stattgefunden hatte und stattdessen vorsorglich der Austausch des Motors kalkuliert wurde. Ob das tatsächlich so war, kann ich natürlich nicht beurteilen – dieser Vorgang hat mein Vertrauen in den Festool-Service jedoch deutlich beeinträchtigt.

Mein Fazit

Natürlich bin ich mit meinem heutigen Maschinenpark, der überwiegend aus Festool-Produkten besteht, nach wie vor sehr zufrieden. Die Maschinen verrichten zuverlässig ihren Dienst und ich bereue den Kauf keineswegs.

In den vergangenen Jahren habe ich jedoch bewusst auf weitere Festool-Produkte verzichtet und stattdessen auf andere hochwertige Marken gesetzt. Die Preise für Maschinen und insbesondere für Zubehör sind meiner Meinung nach inzwischen kaum noch nachvollziehbar. Gleichzeitig vermisse ich echte Innovationen. Statt eigener Neuentwicklungen setzt Festool nach meinem Eindruck zunehmend auf den Zukauf etablierter Unternehmen und deren Produkte, die anschließend unter dem eigenen Markennamen angeboten werden.

Hinzu kommt, dass inzwischen zahlreiche Produkte nicht mehr ausschließlich in Deutschland, sondern auch in Asien gefertigt werden. Für eine Premiummarke, die entsprechend hohe Preise verlangt, passt das für mich ebenso wenig zusammen wie der aus meiner Sicht deutlich nachlassende Kundenservice.

Als Beispiel nenne ich die Tischkreissäge TKS 80 EBS. Ihr wesentliches Sicherheitsmerkmal ist die Technik, die das Risiko schwerer Fingerverletzungen erheblich reduziert. Diese Technologie wurde ursprünglich von dem US-Unternehmen SawStop entwickelt. Festool kooperiert mit SawStop und nutzt diese Technik in der TKS 80. Auch Bosch vertreibt Tischkreissägen mit vergleichbarer Sicherheitstechnik auf dem nordamerikanischen Markt.

Als europäischer Kunde hat man jedoch keine Möglichkeit, eine entsprechende Bosch-Tischkreissäge aus Nordamerika zu beziehen. Nach meinem Kenntnisstand wird die SawStop-Technologie in Europa ausschließlich über Festool angeboten.

Hinzu kommt der Preisunterschied: Die TKS 80 EBS kostet in ihrer Grundausstattung in Deutschland rund 2.800 Euro. Vergleichbare Maschinen werden in den USA teilweise für etwa 930 US-Dollar angeboten. Dieser erhebliche Preisunterschied ist für mich nur schwer nachvollziehbar und ein weiterer Grund, mich künftig auch bei anderen Herstellern umzusehen.

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