Warum ist die Tischkreissäge so gefährlich?
Eine Tischkreissäge ist deshalb so gefährlich, weil das Sägeblatt offen liegt und sich mit sehr hoher Geschwindigkeit dreht. Anders als bei vielen anderen Elektrowerkzeugen befinden sich die Hände beim Sägen häufig in unmittelbarer Nähe des rotierenden Sägeblatts. Schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann schwere Verletzungen verursachen.
Wenn man persönlich jemanden kennt, der sich bereits an einer Tischkreissäge verletzt und bleibende körperliche Schäden davongetragen hat, würde man vermutlich ganz anders mit diesem Werkzeug umgehen.
Mit meiner ersten Tischkreissäge, einer Makita, bin ich anfangs mehr als vorsichtig umgegangen. So vorsichtig, dass mir das Arbeiten damit eigentlich gar keinen Spaß gemacht hat.
Nein, es stand niemand neben mir, der mir hilfreiche Tipps geben konnte. Auch auf mögliche Fehler bei der Bedienung oder typische Gefahrensituationen hatte mich niemand im Vorfeld hingewiesen.
vier wichtige Informationen gegen "Kickback"
Das Werkstück kann vom Sägeblatt erfasst und mit enormer Kraft zurückgeschleudert werden. Das passiert beispielsweise, wenn:
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sich der Sägeschnitt hinter dem Sägeblatt schließt.
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das Holz zwischen Sägeblatt und Parallelanschlag eingeklemmt wird.
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das Werkstück verdreht oder verkantet.
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das Sägeblatt das Holz nicht sauber durchtrennt.
Ein zurückgeschleudertes Werkstück kann schwere Verletzungen verursachen. Auch die Hand kann dabei in das Sägeblatt geraten.
Hierzu gibt es Videos in Youtube, die diesen Vorgang fast lebensecht zeigen. Ich verzichte deshalb auch auf eine Verlinkung.
Wie war es denn früher?
Die Tischkreissäge meines Vaters bestand aus einem Tisch mit Metalloberfläche, unter dem ein Elektromotor ein Sägeblatt antrieb. Ein Sägeblattschutz oder gar ein Spaltkeil? Fehlanzeige. Ein Längsanschlag war schon Luxus.
Denn meist wurde im privaten Bereich damit Brennholz abgelängt, bevor es gehackt und anschließend zum Anfeuern der Steinkohle verwendet wurde. Die Schnitttiefe war das Hauptargument für eine solche Tischsäge.
Und trotzdem ging das Sägen fast immer gut aus. Warum?
Meiner Meinung nach lag das am damals noch weit verbreiteten handwerklichen Verständnis. Vieles wurde selbst gebaut, repariert und improvisiert. Auch die körperliche Motorik und der Umgang mit Werkzeugen waren meiner Wahrnehmung nach eine andere als bei vielen jungen Menschen heute.
Als Beispiel nehme ich die Betriebsanleitungen für Kraftfahrzeuge. Früher wurde noch beschrieben, wie man die Zündung einstellt. Heute findet man stattdessen Warnhinweise, dass man die Batteriesäure nicht trinken darf.
was sollte man beachten?
Meine wichtigsten Regeln sind:
Schutzhaube und Spaltkeil verwenden, soweit für den jeweiligen Schnitt vorgesehen.
- Beim Längsschneiden den Parallelanschlag korrekt einstellen.
- Beim Querschneiden einen geeigneten Queranschlag verwenden – das Werkstück nicht gleichzeitig am Parallelanschlag und Queranschlag einklemmen.
- Schiebestock und Schiebeholz bei schmalen Werkstücken benutzen.
- Niemals hinter dem laufenden Sägeblatt nach Reststücken greifen.
- Vor Einstellarbeiten und Sägeblattwechsel den Akku entfernen.
- Niemals freihändig sägen.
Der wichtigste Punkt: Nicht das Sägeblatt allein ist die größte Gefahr, sondern die Kombination aus rotierendem Blatt, falscher Werkstückführung und Rückschlag. Wer die Mechanik dahinter versteht, kann viele gefährliche Situationen vermeiden.
kann man das "trocken" üben?
Es gibt Dinge, die muss man direkt ausprobieren. So ist es auch beim Sägen an einer Tischkreissäge. Natürlich kann man Restholz in unterschiedlichen Situationen sägen, beispielsweise mit dem Schiebetisch und Anschlag oder am Längsanschlag.
Wer einmal erlebt hat, wie ihm beim Auftrennen das Werkstückstück neben dem Sägeblatt mit voller Wucht in den Bauch geschleudert wird, wird sich vermutlich nie wieder direkt hinter das zu schneidende Werkstück stellen. Das habe ich selbst erleben müssen.
Ich bin durchaus geneigt zu sagen, dass die Gefahr an der Tischkreissäge mit zunehmender Holzstärke überproportional steigt. Das bedeutet allerdings nicht, dass man bei dünnem Holz weniger aufmerksam sein darf. Die grundlegenden Sicherheitsregeln müssen immer eingehalten werden.
Sehr empfehlenswert und wichtig finde ich Videos zur richtigen Verwendung des Längsanschlags. Ich vermute, dass gerade bei dieser Arbeitsweise ein besonders hohes Unfallrisiko besteht.
Schutzhauben bei Tischkreissägen
Auf dieses wichtige Bauteil achtet beim Kauf einer Tischkreissäge vermutlich kaum jemand so richtig.
Die Schutzhaube der Makita war einfach nur schrecklich – sowohl in der Handhabung als auch in ihrer Wirkung. Ähnlich sehe ich das bei der Schutzhaube der Bosch GTS 10 XC.
Dabei sind Schutzhauben bei Tischkreissägen nicht nur wichtige Sicherheitseinrichtungen, sondern dienen häufig auch als Bestandteil der Staubabsaugung.
Die beste Schutzhaube hat für mich die neue CSC SYS 50. Leider bietet sie keine Möglichkeit zur Absaugung. Dafür lässt sich das Werkstück problemlos in beide Richtungen unter der Haube hindurchschieben.
Wenn man allerdings den Anriss genau am Sägeblatt ausrichten möchte, muss man entweder die Haube nach hinten öffnen können oder sie vollständig entfernen.
Natürlich wird in Online-Kursen immer wieder darauf hingewiesen, die Schutzhaube zu verwenden. Doch sobald die Kamera ausgeschaltet ist, wird sie meiner Vermutung nach schnell wieder abgebaut.
Unfälle an Deutschlands Tischkreissägen
Fast alles wird in Deutschland statistisch festgehalten.
So auch die Unfälle an Tischkreissägen bzw. Formatsägen.
In der Tischler-Schreiner-Branche ist die Unfallquote fast doppelt so hoch wie im Berufsgenossenschaft Holz und Metall-Durchschnitt: 60 Arbeitsunfälle werden pro Jahr bezogen auf 1.000 Mitarbeitende in Tischlereien und Schreinereien gemeldet. Und das sind Berufstischler!
Während Unfälle durch Kreissägen im gewerblichen Bereich durch Berufsgenossenschaften und Unfallkassen umfassend dokumentiert und untersucht werden, so gibt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) für das Berichtsjahr 2010 insgesamt 4.822 meldepflichtige Unfälle durch Kreissägen an, liegen keine Daten über Häufigkeit, Ursachen und Hergänge von Kreissägeunfällen im privaten Bereich vor, deren Anzahl nach klinischer Erfahrung die der gewerblichen Unfälle deutlich übersteigen dürfte.
SawStop-Technologie
SawStop ist ein Sicherheitssystem für Tischkreissägen des gleichnamigen Herstellers. Es erkennt den Kontakt des Sägeblatts mit menschlichem Gewebe und stoppt das Blatt innerhalb von Millisekunden. Dadurch lassen sich schwere Schnittverletzungen deutlich reduzieren.
Steve Gass, ein US-amerikanischer Patentanwalt und Hobby-Holzwerker, hatte 1999 die Idee zu diesem System. Innerhalb weniger Wochen entwickelte er einen ersten Prototyp auf Basis einer gebraucht gekauften Tischkreissäge.
Wie es so ist, strengten Konkurenzunternehmen Prozesse an um diese Art Tischsäge zu verbieten. Bosch hatte sogar schon die Tischkreissäge REAXX auf den Markt gebracht, die auf ähnlichem Prinzp arbeitet.
In der Zwischenzeit hat sich TTS Tooltechnic Systems (Festool) das Patent erworben und vertreibt eine Tischkreissäge unter dem Namen TKS 80 EBS.
Die genannte Tischkreissäge wird zwar von Festool angeboten, ist aber selbst bei namhaften Händlern nur selten zu sehen. Auch wird diese Tischkreissäge nicht sonderlich stark beworben.
Es gibt einige Demonstrationen zur Wirkweise der TKS 80 EBS. Allerdings kenne ich persönlich niemanden, der diese Säge tatsächlich in Betrieb hat.
Natürlich bietet dieses System einen erheblichen Sicherheitsvorteil bei der Arbeit an einer Tischkreissäge. Angesichts der zahlreichen Unfälle mit solchen Sägen sollte man meinen, dass diese Technik grundsätzlich zum Standard gehören müsste.
Doch die zusätzlichen Anschaffungskosten und die laufenden Kosten, beispielsweise für die Wartung der Elektronik, sind vielen Betrieben und auch privaten Holzwerkern offenbar zu hoch. Ich würde diese Tischkreissäge mangels wirklichem Vertrauen ebenfalls nicht kaufen.
Das System funktioniert allerdings nur bei Kontakt des Sägeblatts mit leitfähigem menschlichem Gewebe. Andere Unfallursachen kann es nicht verhindern.
Was kann ich selbst tun, um Unfälle zu verhindern?
Unfallbeispiele auch in der Theorie ernst nehmen!
Hier ein Reel, das einen Rückschlag (Kickback) an einer Tischkreissäge zeigt und das ich auf YouTube gefunden habe.
Sicher hat dieser junge Mann solche Arbeiten schon viele Male ausgeführt. Gerade dadurch kann man mit der Zeit unaufmerksam werden und mögliche Gefahren unterschätzen.
Eine Tischkreissäge verzeiht keine Fehler. Man kann sich jedoch auf mögliche Gefahrensituationen vorbereiten, indem man sich mit solchen Vorfällen beschäftigt und auch die Erfahrungen und Erzählungen anderer Holzwerker ernst nimmt.
Dabei spielt die Größe der Tischkreissäge keine Rolle. Selbst die kleine CSC SYS 50 kann gefährlich werden – für die Finger und den Bauch.
Eines sollte bei der Arbeit mit Maschinen grundsätzlich tabu sein – ganz besonders an Tischkreissägen: Alkohol und Drogen!
Bei Festool-Fans dürfte das ohnehin kein Thema sein. Bei den hohen Werkzeugpreisen bleibt schließlich kaum noch etwas für Alkohol und Drogen übrig. 🙂







