Charmanter Landhaus-Schrank mit Schubladen für mehr Stauraum
Stauraum mit Stil: Landhaus-Schrank mit praktischen Schubladen
Die dunklen Möbel, die zuvor dort standen, waren einfach nicht ansprechend.
Zudem sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, Hundezubehör direkt am Ausgang unterzubringen. Dafür bieten sich große Schubladen besonders gut an: So bleiben die Sachen nicht nur außer Sicht, sondern auch ordentlich und trocken aufbewahrt.
Der Landhausstil war dabei kein Zufall. Ich wollte bewusst Möbel mit Konterprofil-Fräsungen bauen und so die Optik etwas traditioneller gestalten.
Konstruktion des Landhaus-Schrankes
Mittlerweile gehört SketchUp zu meinem Standardwerkzeug für die Konstruktion von Möbeln und allen anderen Holzprojekten.
Andere Programme wie AutoCAD oder FreeCAD decken zwar ebenfalls viele Bereiche ab, aber für den Hobby-Holzwerker im Möbelbau ist SketchUp für mich die einfachste und flexibelste Lösung.
So habe ich auch diesen Landhaus-Schrank damit konstruiert.
Der Schrank soll drei große Schubladen, ein langes offenes Fach und Rollen haben, sodass er sich zum Reinigen des Bodens leicht verschieben lässt.
Als Material verwende ich Fichte-Leimholz mit 19 mm Stärke, und für die Deckplatte habe ich noch ausreichend Eichenleimholz übrig.
Beschläge für den Landhaus-Schrank
Billiges Holz und teure Beschläge? Ja, genau so ist Hobby!
Für die Schubladenführungen verwende ich Hettich Quadro V6-Auszüge. Damals wusste ich noch nicht, dass sich die Maße der Schubladen nach den Vorgaben der Auszüge richten müssen und dass bauliche Anpassungen an den Schubladen erforderlich sind. Wie dem auch sei – die Auszüge selbst sind sehr hochwertig, aber auch nicht gerade günstig.
Als Griffe für die Schubladen setze ich zeitgemäße Beschläge ein, die ich online gefunden und bestellt habe. Im Baumarkt sind solche Beschläge entweder gar nicht zu bekommen oder – falls doch – unverschämt teuer.
Fräsen der Schubladenfüllung
Hier kommt einer meiner Profilfräser zum Einsatz: der Abplattfräser.
Eigentlich ist das ein einfacher Vorgang, der jedoch materialabhängig manchmal in mehreren Durchgängen erfolgen muss. Bei der Fichte ließ sich die Fräsung hingegen in einem einzigen Arbeitsgang problemlos durchführen.
Besonders wichtig ist die Höheneinstellung des Fräsers, abgestimmt auf die Fräsung der Rahmenteile.
Solche Arbeiten funktionieren nur reibungslos auf einem Frästisch.
Preisgünstige Lösungen für einen eigenen Frästisch habe ich in einem meiner Beiträge bereits beschrieben.
Fräsen der Schubladenrahmen
Hier kommen zwei Profilfräser zum Einsatz: einer für die Längsseiten eines Rahmens und einer für die Verbindungen dazu.
Bei diesen Fräsungen ist die Höheneinstellung besonders wichtig, weshalb Probefräsungen unbedingt erforderlich sind.
Für die gezeigten Arbeiten habe ich zunächst Fräser aus Deutschland verwendet – sehr teuer! Bei späteren Fräsungen habe ich Fräser aus den USA eingesetzt, für einen Bruchteil des Preises. Das Ergebnis? Kein Unterschied in der Qualität!
Manchmal hat man als Holzwerker wirklich das Gefühl, nur abgezockt zu werden. Ich kaufe seitdem keine deutschen Fräser mehr.
Die Rahmenteile habe ich zusätzlich noch mit einer Domino-Verbindung vorbereitet – das ist aber nicht zwingend erforderlich.
Schubladen bauen
Auch die Schubladen habe ich aus Fichte gebaut, jeweils mit eingeschobenem Boden.
Schubladen sind grundsätzlich sehr einfach herzustellen. Dazu habe ich einen ausführlichen Bericht geschrieben, der hier zu finden ist.
Natürlich könnte man auch aufwändigere Schubladen bauen, zum Beispiel mit gezinkten Verbindungen. In diesem Fall war das jedoch nicht nötig.
Die Arbeit geht recht schnell von der Hand – nur Vorsicht beim Zuschnitt! Die Maße müssen exakt passen, damit die Schubladenführungen korrekt eingebaut werden können.
Grundrahmen
Der Grundrahmen für diesen Landhaus-Schrank war schnell zusammengebaut. Wichtig dabei ist, dass alle zu verleimenden Teile bereits lackiert sind – so wird das anschließende Lackieren ein Kinderspiel.
Mangels ausreichend langer Zwingen habe ich mir mit Hilfslöchern in der oberen Platte behelfen müssen. Diese Löcher sind später nicht mehr sichtbar.
Die Holzverbindungen wurden mit Lamellos hergestellt.
Sockel Landhaus-Schrank bauen
Der Sockel für diesen Landhaus-Schrank ist etwas größer als der eigentliche Schrankboden, um die Optik des Schrankes zu verbessern.
Der Rahmen wird anschließend einfach auf den Boden geschraubt.
Der Boden ist mit vier Laufrollen ausgestattet, was auch den geringen Abstand zur Werkbank erklärt. So lässt sich der Schrank jederzeit bequem verschieben.
Deckplatte für den Landhaus-Schrank
Das Leimholz für den Deckel des Landhaus-Schrankes habe ich selbst hergestellt – aus zuvor sorgfältig vorbereiteten Eichenbrettern.
Die Dominos dienen dabei lediglich zur Zentrierung der Höhe beim Verleimen der Bretter zu einer durchgehenden Platte. Sicher hätte auch eine geringere Anzahl Dominos denselben Effekt erzielt.
„Schrank aus Fichte und Deckel aus Eiche?“ mag man sich fragen. Ich hatte die Eichenbretter noch übrig, und anstatt sie nur zu lagern, wollte ich sie sinnvoll einsetzen. So kommen sie nun praktisch und optisch ansprechend zum Einsatz.
Deckplatte doppeln mittels Kranz
Die Deckplatte soll einen massiveren Eindruck vermitteln. Das lässt sich sehr gut mit einem umlaufenden Kranz erreichen.
Auch dieser Kranz ist aus Eiche gefertigt – in diesem Fall ein Muss. Der Schrank ist den üblichen Temperaturschwankungen ausgesetzt und arbeitet entsprechend. Deshalb sollten die Holzarten identisch sein.
Das Profil habe ich mit einem Fräser aus den USA in das Holz gebracht.
Zwar wirken diese Fräser im Vergleich zu den oft filigranen deutschen Fräsern etwas „klobig“, doch sowohl das Arbeiten damit als auch das Ergebnis sind ausgezeichnet.
Tests vor dem Zusammenbau
Aus eigener – und vielfach schmerzhafter – Erfahrung kann ich nur zu regelmäßigen Tests der einzelnen Teile raten.
Passen die Blenden in Breite und Höhe? Haben sie genügend Spiel, um auch höhere Temperaturschwankungen problemlos auszuhalten?
Ohne solche Funktionstests oder andere Überprüfungen kann man leicht viele Arbeitsstunden „in den Sand setzen“. Und natürlich dürfen die Zusatzkosten für das Material nicht vergessen werden.
Hier passt nun alles zusammen, und die Endmontage kann nach allen Lackierarbeiten beginnen.
fertiger Landhaus-Schrank
Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend.
Was hat mir der Bau gebracht?
Zunächst konnte ich mal wieder intensiv am Frästisch arbeiten – ein Gerät, das in meiner Werkstatt viel zu selten zum Einsatz kommt. Außerdem hat sich mein Eindruck bestätigt, dass man als Holzwerker bei vielen deutschen Online-Anbietern für Zubehör, Maschinen und Werkzeug oft über den Tisch gezogen wird. Unterstützt wird das häufig von sogenannten „Influencern“, die solche Produkte als selbstverständlich zu kaufende Standards darstellen.
Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass es sich wirklich lohnt, mit hochwertigen Materialien wie Eiche, Meranti, Iroko, Bangkirai oder Teakholz zu arbeiten. Alles andere gehört für mich mittlerweile eher in die Kategorie „Bauholz“.











