Pizzateller aus Eichenholz selbst bauen
In der vergangenen Woche habe ich mal wieder Pizza auf meinem Napoleon-Gasgrill gebacken. Natürlich haben wir auch große Pizzateller – allerdings aus Porzellan. Für eine frisch gebackene Pizza finde ich Pizzateller aus Holz wesentlich schöner.
Also bin ich zu meinem Holzhändler gefahren und habe mich in der Restekammer nach einem geeigneten Stück Holz umgesehen.
Buche kam für mich nicht infrage, da sie zum Verziehen neigt. Teak oder Nussbaum wären für diesen Zweck zwar durchaus geeignet, erschienen mir aber für einen einfachen Pizzateller nicht angemessen. Dafür wollte ich kein so hochwertiges und teures Holz verwenden.
Schließlich fand ich ein passendes Reststück Eichenleimholz. Leider war es keilgezinkt, optisch aber durchaus ansprechend und für mein Vorhaben gut geeignet.
Die Breite war mit 315 mm allerdings bereits vorgegeben. 350 mm wären mir lieber gewesen, denn etwas mehr Platz für eine große Pizza kann schließlich nicht schaden.
Vakuum-System von Festool
Es gab und gibt Werkzeuge von Festool, die in ihrer Art wirklich außergewöhnlich sind. Dazu gehören für mich der MFT/3, der Frästisch CMS und auch das VAC SYS. Dieses Vakuum-Spannsystem besitze ich schon seit längerer Zeit und bin damit sehr zufrieden.
Für die anstehenden Arbeiten an meinen Pizzatellern eignet sich das VAC SYS hervorragend. Die Holzplatten lassen sich sicher und ohne störende Spannzwingen fixieren. Dadurch habe ich beim Bearbeiten freie Hände und kann die Werkstücke schnell und unkompliziert drehen und neu ausrichten. Gerade bei solchen Arbeiten ist das eine enorme Erleichterung.
Schon damals hatte ich vorausschauend gehandelt und sämtliche Zubehörteile gleich mitbestellt. Aus heutiger Sicht war das eine gute Entscheidung, denn Festool bietet das VAC SYS inzwischen nicht mehr an.
Was mich an diesem System besonders überzeugt, ist die sichere Fixierung der Werkstücke. Wenn alles richtig positioniert ist und die Vakuumspannung zuverlässig greift, sitzen die Teile bombenfest. So kann ich mich ganz auf die eigentliche Arbeit konzentrieren.
Kreis-Frässchablone im Eigenbau
Diese Kreis-Frässchablone habe ich schon vor längerer Zeit gebaut, bisher allerdings noch nie eingesetzt. Ja, solche Dinge entstehen bei mir manchmal einfach dann, wenn gerade kein besonderes Projekt ansteht. Man baut etwas, weil es Spaß macht – und irgendwann kommt dann auch der passende Einsatz dafür.
Aus heutiger Sicht ist die Frässchablone allerdings etwas zu lang geraten. 50 cm hätten für meine Zwecke sicher ausgereicht. Aber das merkt man eben manchmal erst, wenn man die Vorrichtung tatsächlich benutzt.
Die Schablone ist für die Festool OF 1010 und OF 1400 ausgelegt. Damit lässt sie sich mit beiden Oberfräsen verwenden.
Für die Bearbeitung meiner Pizzateller kommt diesmal die Festool OF 1010 zum Einsatz. Sie ist handlicher als die OF 1400 und bietet für diese Arbeit mehr als genug Leistung. Eine größere Oberfräse wäre hier schlicht unnötig.


Vorbereitung für die Frässchablone
Leider braucht eine Frässchablone für Kreise immer einen Drehpunkt. Und dafür muss eine Bohrung ins Material, die man ohne Nachbearbeitung immer sehen würde.
Dafür habe ich aber vorgesorgt und die Bohrung wird wieder verschlossen.
Der Nippel an der Frässchablone hat einen Durchmesser von 8mm und so muss auch das Loch mit dem gleichen Durchmesser gebohrt werden. Zweckmäßigerweise ohne viel Materialverluste.
Ausfräsen des Pizzatellers
Natürlich war ich überrascht, wie gut meine selbstgebaute Frässchablone tatsächlich funktioniert.
Dank des sicher sitzenden Drehpunkts konnte ich innerhalb kurzer Zeit aus der eckigen Holzplatte einen sauber gerundeten Teller fräsen. Dabei bin ich in zwei Frässchritten vorgegangen. Sicher wäre es auch möglich gewesen, den Kreis in einem Durchgang zu fräsen. Allerdings wollte ich kein Risiko eingehen und den Rand des Holzes durch Brandflecken verunstalten.
Zum Einsatz kam ein 8-mm-Hartmetall-Spiralfräser mit ziehendem Schnitt. Das Ergebnis hat mich überzeugt: Auf dem Boden war so gut wie kein Frässtaub zu finden, da die Späne überwiegend nach oben abgeführt wurden.
Einen Nachteil hat meine Frässchablone allerdings: Holz auf Holz lässt sich nicht besonders leicht verschieben. Die Reibung ist recht hoch, was die Handhabung unnötig erschwert.
Hier muss ich noch nachbessern. Eine geeignete Gleitfläche könnte dafür sorgen, dass sich die Schablone leichter bewegen lässt, ohne dabei an Stabilität oder Genauigkeit einzubüßen.


Kante und Rille fräsen
Die Rille hat bei einem Pizzateller dieser Art eigentlich keine besondere Funktion. Sie sieht aber gut aus und verleiht dem Teller eine ansprechende Optik. Also habe ich mich auch für dieses Detail entschieden.
Mit derselben Frässchablone und der Festool OF 1010 habe ich anschließend einen 8-mm-Halbrundfräser eingesetzt und die Rille etwa 3,3 mm tief gefräst. Um ein sauberes Ergebnis zu erzielen, bin ich in zwei Durchgängen vorgegangen. Dafür musste ich den Teller jeweils entsprechend drehen.
Wichtig ist dabei, den Fräser in einer gleichmäßigen, fließenden Bewegung ins Holz zu führen. Wer den Fräser an einer Stelle zu lange stehen lässt oder zu langsam arbeitet, riskiert hartnäckige Brandspuren. Und die lassen sich anschließend nur schwer wieder entfernen.
Den Rand des Tellers habe ich dagegen mit der kleinen gelben DeWalt-Oberfräse und einem Fasefräser bearbeitet. Auch das geht erstaunlich einfach, wenn man den Fräser gleichmäßig und ohne längere Unterbrechungen am Holz entlangführt.
So bekommen sowohl die umlaufende Rille als auch die Außenkante ihre endgültige Form.
Nacharbeiten am Pizzateller
Grundsätzlich sind die Pizzateller jetzt fertig gefräst und könnten bereits verwendet werden. Aber wer möchte schon Holzsplitter auf der Pizza haben oder sich beim Anfassen einen Splitter in die Finger ziehen?
Deshalb steht zunächst die Nacharbeit an. Die gefräste Rille und sämtliche Kanten müssen sorgfältig geschliffen werden. Für die Rille eignen sich übrigens auch Schleifpapierreste oder ältere Schleifscheiben, die man ohnehin nicht mehr für größere Flächen verwenden möchte. Damit kommt man gut in die Vertiefung und kann die Oberfläche sauber glätten.
Auch die gefräste Fase sollte nur sanft geschliffen werden, damit ihre Form erhalten bleibt. Besonders an den Hirnholzseiten ist Vorsicht geboten, denn dort können sich leichter Fasern aufstellen oder kleine Ausrisse zeigen.
Anschließend habe ich die Oberflächen mit dem Festool ETS 150 geschliffen. Dabei ging es noch nicht um den letzten Feinschliff, sondern zunächst darum, die Flächen gründlich zu bearbeiten und ein gleichmäßiges Schleifbild zu erreichen.
Der endgültige Schliff folgt später – schließlich sollen die Pizzateller nicht nur gut aussehen, sondern sich auch angenehm glatt anfühlen.
Ein 8-mm-Zapfenbohrer soll das Bohrloch verschwinden lassen
Die Bohrung ist zwar notwendig, stört aber das Gesamtbild der Eichenplatte erheblich. Sie muss also wieder verschlossen werden.
Zunächst hatte ich überlegt, das Loch einfach mit einem 8-mm-Holzdübel zu schließen. Allerdings wäre dabei ein deutlicher Farbunterschied zum Eichenholz zu erwarten gewesen. Außerdem hätte ich den überstehenden Dübel absägen und anschließend bündig schleifen müssen.
Es musste also eine bessere Lösung her.
Ein Zapfenbohrer aus China
Ich habe mich schließlich für einen 8-mm-Zapfenbohrer entschieden und diesen bei Amazon bestellt. Wohlgemerkt: bei Amazon!
Als das Werkzeug heute ankam, stellte ich fest, dass es aus China stammt. Da hätte ich genauso gut direkt bei TEMU bestellen können. Bei solchen Produkten werde ich künftig wohl häufiger dort nachsehen.
Zapfen herstellen – einfacher als gedacht
Der Zapfenbohrer macht jedenfalls einen stabilen und vertrauenswürdigen Eindruck. Also habe ich ihn kurzerhand in die Ständerbohrmaschine eingespannt und den ersten Zapfen gebohrt.
Das funktioniert erstaunlich einfach. Der Zapfen lässt sich sauber aus dem Holz herausarbeiten und bietet genau die passende Grundlage, um das störende Bohrloch später möglichst unauffällig zu verschließen.
Manchmal braucht es eben kein kompliziertes Verfahren, sondern nur das passende Werkzeug.
Zapfen nur mit Vorlage einschlagen
Hier hat sich wieder einmal gezeigt, dass ein Probestück Gold wert sein kann.
Einen der Zapfen hatte ich zunächst ohne Vorlage und einfach mit dem Hammer in die Bohrung eingeschlagen. Das Ergebnis war ernüchternd: Der Zapfen zerlegte sich dabei.
Beim nächsten Versuch ging ich anders vor. Zuvor hatte ich die untere Kante des Zapfens mit Schleifpapier der Körnung 220 leicht entgratet. Anschließend setzte ich eine passende Vorlage auf den Zapfen und versenkte ihn mit leichten Hammerschlägen.
Das funktionierte problemlos. Der Zapfen ließ sich sauber in die Bohrung treiben, ohne dabei zu zerbrechen.
Mein Tipp: Zapfen nicht direkt mit dem Hammer einschlagen, sondern eine passende Vorlage verwenden und mit Gefühl arbeiten. Der kleine zusätzliche Aufwand lohnt sich.
Ölen der Pizzateller
Natürlich habe ich mich ausführlich über geeignete Öle informiert. Dabei bin ich auf zahlreiche unterschiedliche Empfehlungen gestoßen – sogar von sogenannten „Tischlermeistern“.
Aus technischer und physikalischer Sicht scheint Leinöl jedoch besonders gut für die Behandlung von Schneidebrettern und Pizzatellern aus Holz geeignet zu sein. Es dringt tief in die Holzfasern ein, härtet bei entsprechender Zusammensetzung vollständig aus und bildet dadurch eine schützende Schicht, die das Holz vor Feuchtigkeit bewahrt.
Also bin ich zu EDEKA gefahren und habe dort dieses Öl im Angebot für gerade einmal 1,99 € gefunden.
Nachdem ich sämtliche Kanten der Pizzateller noch einmal von Hand geschliffen und den Schleifstaub mit einem Tuch gründlich entfernt hatte, trug ich das Öl auf die Eichenoberfläche auf.
Erstaunlich, wie viel Öl das Eichenholz aufgenommen hat!
Fertige Pizzateller
Ja, mit dem Ergebnis bin ich zufrieden!
Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass die Zapfen auch bei genauerem Hinsehen nicht zu erkennen sind. Doch bei einem so kleinen Durchmesser scheint das wohl ein Wunsch zu bleiben.
Hat es sich gelohnt?
Jein!
Rein finanziell auf keinen Fall. Vergleichbare Pizzateller gibt es im Internet bereits für etwa 16 € pro Stück – macht 80 € für fünf Stück.
Und was habe ich bezahlt?
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Eichenholz: 18,00 €
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Öl: 1,99 €
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Zapfenbohrer: 14,95 €
Insgesamt also rund 35 € an Materialkosten.
Rechnet man die Arbeitszeit hinzu, sind meine selbst gebauten Pizzateller unterm Strich deutlich teurer als vergleichbare Produkte aus dem Handel.
Aber darum ging es mir auch nicht allein. Ich habe sie selbst gebaut! Und genau das macht sie für mich besonders.










