Nistkästen für die Überwinterung
Seit einigen Jahren habe ich auf meinem Grundstück Nistkästen verteilt aufgehängt. Einige davon sind inzwischen nicht mehr besonders ansehnlich und müssen ersetzt werden.
Gebaut habe ich Nistkästen schon aus den unterschiedlichsten Materialien: Eiche, Lärche, MPX und Meranti. Den Vögeln ist das völlig egal. Entscheidend sind ein guter Schutz vor Fressfeinden und ein möglichst ausgeglichenes Temperaturklima im Sommer.
Da der Winter vor der Tür steht, brauchen die Vögel auch einen Platz zum Überwintern.
Da ich momentan keine größeren Projekte für das Grundstück und auch keinen Möbelbau geplant habe, nutze ich die Zeit und baue einfach ein paar neue Nistkästen.
Und das geht erstaunlich preisgünstig.
Den Plan hänge ich am Ende des Beitrags als SketchUp-Datei an. Wer lieber eine Version auf Papier mit allen Maßangaben möchte, kann sich gerne bei mir melden.

Welches Material ist notwendig?
In diesem Fall werde ich 18 mm starkes Fichtenleimholz verwenden. Die Standard-Plattengröße von 5000 × 1230 mm ist für meine Nistkästen natürlich viel zu groß. Deshalb lasse ich mir die benötigten Teile entsprechend zuschneiden.
Mit meinem Platten-Optimierungsprogramm kann ich den Zuschnitt so planen, dass möglichst wenig Verschnitt entsteht. Das macht den Einkauf von Plattenmaterial deutlich günstiger.
Für insgesamt 1,9 m² Fichtenleimholz habe ich beim Holzhändler gerade einmal 33,40 Euro bezahlt. Das Material reicht für acht Nistkästen.
Beim Zusammenbau verzichte ich komplett auf Schrauben, Lamellos oder Dominos. Stattdessen verwende ich dünne Stahlnägel, die mit meiner Prebena-Druckluftpistole ins Holz geschossen werden.
Verleimt wird natürlich trotzdem – mit Holzleim der Klasse 3.
Einfach, schnell und vor allem: preiswert.
Zuschnitt auf der Kappsäge KS 120
Für den Bau habe ich mir beim Holzhändler vier Streifen mit 280 mm Breite über die gesamte Länge von 1230 mm sowie drei Streifen mit 253 mm Breite zuschneiden lassen. So ließ sich das komplette Material problemlos im Kleinwagen transportieren.
In der Werkstatt habe ich die Streifen anschließend auf die benötigten Einzelteile aufgetrennt. Aufgrund der überschaubaren Abmessungen geht das mit der Kappsäge schnell und unkompliziert.
Die Seitenteile müssen noch mit einer Schräge versehen werden. Der rechnerische Winkel beträgt 10,5°. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, die jeweils „schöne“ Seite des Holzes nach außen zu nehmen.
Auch die übrigen Bauteile lassen sich auf diese Weise schnell und präzise auf das benötigte Maß bringen.

Schlicht und einfach
Bei anderen von mir gebauten Nistkästen habe ich die Kanten zusätzlich gefast. Das werde ich bei diesen Kästen nicht machen. Die Kanten werden lediglich mit einem 100er Schleifklotz leicht gebrochen. Das reicht völlig.
Vor dem Anstrich muss das Holz allerdings grundiert werden – aber ausschließlich außen. Innen bleibt das Holz unbehandelt und damit naturbelassen. Die sichtbaren Kanten werden anschließend ebenfalls lackiert.
Das Einflugloch bekommt einen Durchmesser von 30 mm und ist damit hauptsächlich für Meisen geeignet. Wer auch größeren Vögeln den Zugang ermöglichen möchte, kann den Durchmesser entsprechend vergrößern.
Eine gute Übersicht über geeignete Einfluglochgrößen für verschiedene Vogelarten bietet der NABU auf seiner Webseite.
Verleimen und Tackern
Fichtenleimholz ist relativ leicht und die Konstruktion muss später keine großen Kräfte aufnehmen. Eine aufwendige Holzverbindung ist deshalb völlig unnötig. In meinem Fall reichen Holzleim und Drahtstifte vollkommen aus.
Hier kommt eine PREBENA zum Einsatz. Nicht, weil sie besonders gut wäre, sondern weil ich sie mir damals für viel Geld habe aufschwatzen lassen. Der Druckluft-Nagler funktioniert durchaus gut – aber er ist meiner Meinung nach deutlich zu teuer.
Die Bauteile werden zunächst grob miteinander verleimt und anschließend mit jeweils vier Drahtstiften fixiert. Mehr braucht es bei einem Nistkasten wirklich nicht.
Einfach, schnell und stabil genug für den vorgesehenen Zweck.


Bohren des Einflugloches
Fichte ist beim Bohren recht weich und neigt schnell zum Ausbrechen – besonders, wenn der Bohrer nicht mehr wirklich scharf ist.
Ganz am Anfang habe ich meine Forstnerbohrer noch im Baumarkt oder günstig online gekauft. Heute liegen bestimmt noch 20 dieser alten Bohrer irgendwo im Schrank.
Seit ich die Forstnerbohrer von Festool benutze, habe ich davon keinen einzigen mehr angefasst. Die Qualität und vor allem das Bohrergebnis sind einfach spitze.
Ja, der Satz ist nicht gerade billig. Aber wenn ich zusammenrechne, was mich die ganzen alten Forstnerbohrer über die Jahre gekostet haben, komme ich ungefähr auf den Preis dieses Satzes.
Der Unterschied: Diesmal habe ich das Geld auf einmal ausgegeben – und die alten Bohrer liegen trotzdem noch im Schrank.
Hinweise
Die Oberkante der Rückseite habe ich natürlich ebenfalls auf 10,5° abgeschrägt. Das gilt auch für die Vorder- und Rückkante des Daches, das später passgenau mit der Rückwand verbunden wird.
Die Klappe mit dem Einflugloch benötigt zu den Seitenwänden etwas Spiel, da sie zum jährlichen Reinigen des Nistkastens geöffnet werden muss. 1–2 mm reichen dafür völlig aus.
Außerdem muss die Klappe etwa 3 mm kürzer sein als die Oberkante der Seitenwände. Nur so lässt sie sich problemlos öffnen. Ist sie zu lang, verkantet sie beim Öffnen.
Als „Scharniere“ verwende ich einfache 8-mm-Alu-Rundstäbe mit 40 mm Länge. Die entsprechenden Bohrungen habe ich bereits eingebracht.
Wichtig dabei: Die Bohrungen für die Scharniere werden durch die Klappe und den Rahmen in einem Arbeitsgang gebohrt. So ist sichergestellt, dass die kurzen Rundstäbe beim späteren Zusammenbau auch exakt passen.


Außenoberflächen schleifen
Die Arbeitsschritte sind diesmal etwas anders als bei meinen bisherigen Nistkästen. Normalerweise schleife ich sämtliche Teile bereits vor dem Zusammenbau.
Hier mache ich es genau andersherum: Die Nistkästen werden erst im zusammengebauten Zustand geschliffen.
Innen ist Schleifen ohnehin nicht notwendig. Im Gegenteil: Die etwas rauere Oberfläche kommt den Meisen sogar entgegen und erleichtert ihnen das Klettern im Kasten.
Außerdem ist Fichte nun einmal kein besonders hartes Holz. Eine wirklich spiegelglatte Oberfläche ist bei diesem Material ohnehin weder notwendig noch sinnvoll.
Bei einem Nistkasten muss eben nicht alles aussehen wie ein Möbelstück.
Grundieren und Lackieren
Neuerdings verwende ich auch die Grundierung von SIKKENS. Sie ist alles andere als günstig, aber ich wollte sie einfach einmal ausprobieren.
Einen Unterschied konnte ich bereits beim ersten Anstrich feststellen: Die erste Lackschicht mit SIKKENS deckt deutlich besser und erreicht bereits beim ersten Anstrich einen schönen Seidenglanz.
Einmal grundieren reicht völlig aus. Zwei Deckschichten sind Pflicht.
Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass die Unterschiede zwischen verschiedenen Lacken tatsächlich so deutlich ausfallen können.

Scharniere einbringen
Der Lack ist trocken, die Bohrungen sind gesetzt.
Den 8-mm-Rundstab habe ich in 4-cm-Stücke geschnitten. Das geht mit der FLEX auf niedriger Stufe schnell und unkompliziert. Die Schnittkanten müssen anschließend allerdings mit einer Feile geglättet werden.
Da die Bohrungen exakt übereinanderpassen, werden die Rundstifte einfach mit einem Hammer eingeschlagen.
Das war’s. Keine komplizierten Scharniere, keine Schrauben – einfach und funktionell.
Klappensperre
Eine Schraube?
Ja. Meine zuletzt gebauten Nistkästen habe ich hinter unserem Haus in etwa 3 Metern Höhe angebracht.
Diese Kästen hatten lediglich einen kleinen 4-mm-Alu-Rundstab als Klappensperre. Bei der letzten Kontrolle waren sämtliche Sperren entfernt – und einer der Nistkästen stand sogar offen.
Welcher Idiot macht so etwas?
Deshalb habe ich bei diesen Nistkästen ebenfalls 4-mm-Bohrungen vorgesehen, die Klappe wird diesmal aber zusätzlich mit einer Schraube gesichert. Sie lässt sich zum Reinigen problemlos öffnen, dürfte aber zumindest neugierige oder mutwillige Hände davon abhalten, den Kasten einfach aufzureißen.
Hier setze ich eine 50-mm-Holzschraube ein. Simpel, aber wirkungsvoll.

Dach montieren
Das Dach muss jetzt nur noch ausgerichtet und „getackert“ werden.
Nach hinten bündig mit der Rückwand abschließen, rechts und links den gleichen Überstand einhalten – fertig!
Der Nistkasten ist damit komplett montiert und grundsätzlich einsatzbereit.
Ich werde die Kästen allerdings noch zwei Tage in der Werkstatt lassen, damit der Lack vollständig aushärten kann. So vermeide ich, dass bei Regen Feuchtigkeit in den noch nicht vollständig ausgehärteten Anstrich eindringt und unschöne Wasserflecken entstehen.
Wie lange habe ich daran gearbeitet?
Nun, es läppert sich.
Material besorgen, Teile zuschneiden, verleimen und tackern, schleifen, grundieren, lackieren und bohren – da kommt einiges zusammen.
Insgesamt sind für die acht Nistkästen rund 8 Stunden Arbeitszeit zusammengekommen.
Billig sind die Kästen damit natürlich nicht. Rechne ich nur 30 Euro pro Arbeitsstunde und etwa 40 Euro Materialkosten, lande ich bei rund 35 Euro pro Nistkasten.
Aber eines darf man bei der ganzen Rechnerei nicht vergessen:
Es ist Hobby. Und Hobby muss nicht wirtschaftlich sein – es muss Spaß machen.







