Werkstattpreise sind absurd
Und nein, ich muss mir persönlich keine Sorgen machen, meine Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich jeden Preis widerspruchslos akzeptieren muss.
In meinem persönlichen Umfeld gibt es Familien, die ihr Auto immer häufiger stehen lassen oder ganz darauf verzichten, um die steigenden Lebenshaltungskosten überhaupt noch stemmen zu können. Das ist für viele Menschen längst Realität.
Wenn ich mir die Kraftstoffpreise von früher im Vergleich zu heute ansehe, obwohl der Rohölpreis zeitweise auf einem ähnlichen Niveau liegt, drängt sich für mich die Frage auf, warum Autofahren inzwischen so viel teurer geworden ist. Ein erheblicher Teil des Endpreises entfällt auf Steuern und Abgaben.
Für mich ist deshalb nicht der Weltmarkt allein für die hohen Preise verantwortlich, sondern auch politische Entscheidungen. Diese Entwicklung halte ich für falsch. Energie und Mobilität sollten für die breite Bevölkerung bezahlbar bleiben und nicht durch immer neue Belastungen zusätzlich verteuert werden.
rein Abzocke durch die Regierung
Einordnung der Kraftstoffpreise
Hier habe ich eine Grafik mit Quellenangabe gefunden, die den aktuellen Kraftstoffpreis von 220,8 Cent pro Liter aufschlüsselt.
Auffällig ist, dass über 50% des Endpreises auf Steuern und Abgaben entfällt. Hinzu kommt, dass auf den Gesamtpreis und der schon enthaltenen Steuern einschließlich verschiedener Abgaben zusätzlich die Mehrwertsteuer erhoben wird. Diese Konstruktion halte ich für kaum vermittelbar.
Immer wieder wird vor allem auf die Gewinne der Mineralölkonzerne verwiesen. Nach meiner Einschätzung greift diese Erklärung jedoch nicht. Zwar erzielen die Unternehmen Gewinne, aus meiner Sicht erklärt dies aber nur einen kleineren Teil des hohen Endpreises an der Zapfsäule.
Auch die CO₂-Bepreisung sehe ich nicht nur kritisch sondern halte diese für völlig absurd. Gleichzeitig belastet sie Verbraucher und Unternehmen zusätzlich.
Ich greife dieses Beispiel auf, weil Kraftstoffpreise stellvertretend für viele Bereiche stehen. Hohe Energie- und Transportkosten wirken sich auf nahezu alle Waren und Dienstleistungen aus. Aus meiner Sicht tragen deshalb nicht die internationalen Entwicklungen, sondern ausschließlich politische Entscheidungen zur hohen finanziellen Belastung der deutschen Bürger bei.
nun zu den Werkstattpreisen
Vorweg: Über viele Jahre bin ich große Fahrzeuge gefahren – darunter verschiedene VW Phaeton mit V6-, V8-, V10- und V12-Motoren. Die Inspektionen habe ich grundsätzlich bei Volkswagen durchführen lassen. Der Preis spielte für mich damals eine untergeordnete Rolle. Mir war wichtig, dass die Fahrzeuge technisch einwandfrei gewartet wurden. Allein ein Ölwechsel verschlang bei diesen Motoren rund 11 Liter Motoröl.
Heute fahren wir einen kleinen VW Polo mit 1,0-Liter-Motor. Auch hier ließ ich den Ölwechsel bei einem VW-Vertragspartner durchführen. Verwendet wurden lediglich vier Liter Motoröl, ein Ölfilter, eine neue Ablassschraube sowie die erforderlichen Dichtungen.
Die Rechnung belief sich am Ende auf rund 261,63 Euro.
Für einen Liter Motoröl wurden knapp 30 Euro brutto berechnet. Hinzu kamen rund 79,20 Euro netto Arbeitslohn für etwa eine halbe Stunde Arbeit. Insgesamt halte ich diesen Preis für einen einfachen Ölwechsel an einem Kleinwagen für nicht mehr angemessen.
Es geht mir dabei nicht darum, ob ich mir diese Rechnung leisten kann. Es geht um das Verhältnis zwischen Leistung und Preis. Aus meiner Sicht steht beides hier nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis.
Für mich ist deshalb klar: Künftige Ölwechsel werde ich nicht mehr bei einem VW-Vertragspartner durchführen lassen. Eine freie Meisterwerkstatt kann diese Arbeiten in aller Regel ebenso fachgerecht erledigen – und zu deutlich günstigeren Konditionen.
Hier mal ein Beispiel für die tatsächlichen Kosten im freien Handel (Quelle https://www.atp-autoteile.de/de ):
- 5 Liter Motoröl mit VW-Freigabe für den Polo: MANNOL MN7511-5 – 5 L Energy 5W-30 = 29,04 inkl. MwSt. (4 Liter sind nötig)
- 1 Ölfilter mit Zubehör: MANN-FILTER 10492578 – Ölfilter+Schraube+Ölwechselanhänger = 11,85 inkl. MwSt.
Also reine Materialkosten = 40,89 Euro !!! Materialkosten bei VW inkl. MwSt. = 166,81 !!!
Die Materialkosten bei VW sind 4 x höher.
erste Inspektion VW Polo
Der Polo stand schon längere Zeit als Tageszulassung beim Händler und hatte gerade einmal acht Kilometer auf dem Tacho.
Eigentlich brauchten wir gar kein weiteres Auto. Aber irgendwie war der kleine Wagen einfach sympathisch. Gut ausgestattet, mit DSG und genau das Richtige für den Alltag. Den Preis konnte ich nicht ausschlagen. Mittlerweile fahre ich ihn fast lieber als unseren Tiguan R-Line.
Dann stand die erste Inspektion an und der Wagen ging zur VW-Vertragswerkstatt. Beim Blick auf die Rechnung traf mich fast der Schlag.
Für die Zündkerzen wurden 75 Euro netto berechnet – also fast 30 Euro brutto pro Stück. Dabei kostet ein kompletter Satz mit drei BOSCH-Zündkerzen im freien Ersatzteilhandel 34,17 inkl. MwSt.
Natürlich weiß ich, dass eine Vertragswerkstatt nicht nur die Materialkosten berechnet. Trotzdem halte ich solche Preisaufschläge für überzogen. Genau diese Preisgestaltung führt dazu, dass immer mehr Kunden ihre Fahrzeuge nach Ablauf der Garantie in freien Meisterwerkstätten warten lassen.
Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, für gute Arbeit einen angemessenen Preis zu bezahlen. Doch irgendwann stimmt das Verhältnis zwischen Materialwert und Rechnungsbetrag einfach nicht mehr.
Auch deshalb habe ich den Eindruck, dass Autofahren in Deutschland – unabhängig davon, ob es sich um einen Verbrenner oder ein Elektroauto handelt – immer teurer wird. Für viele Menschen ist das Auto jedoch kein Luxus, sondern die einzige Möglichkeit, täglich zur Arbeit zu gelangen.



