Dieser Frästisch ist ein Albtraum – Erfahrungen & Warnung!
Dieser Frästisch ist ein Albtraum
Kein ambitionierter Holzwerker kommt an diesem Thema vorbei: Auch ich hatte bereits 2015 den großen Wunsch, einen eigenen Frästisch zu besitzen.
Zunächst war ich überzeugt, dass ein Selbstbau deutlich günstiger wäre als der Kauf eines fertigen Modells. Also besorgte ich mir zwei Ausgaben der Zeitschrift HolzWerken mit den entsprechenden Bauplänen und begann, den Frästisch nachzubauen.
Das benötigte Material ließ ich mir beim Holzhändler grob zuschneiden. Die passgenauen Zuschnitte und sämtliche Feinarbeiten erledigte ich anschließend in meiner eigenen Werkstatt. Auch das in der Zeitschrift empfohlene Zubehör bestellte ich – wie vorgeschlagen – bei den angegebenen Lieferanten. Rückblickend war das eine recht kostspielige Angelegenheit, doch damals kannte ich keine günstigeren Alternativen.
Nachdem schließlich alle Materialien und Bauteile vorhanden waren, begann ich mit dem Zusammenbau und arbeitete den Frästisch Schritt für Schritt nach den Bauplänen nach.
Im Nachhinein war es keine gute Idee
Warum wollte ich überhaupt einen Frästisch? Ganz einfach: Ich kam mit der Handoberfräse nicht richtig zurecht. Also war ich überzeugt, dass mit einem Frästisch alles einfacher werden würde. Rückblickend weiß ich: Das war ein Trugschluss.
Wer eine Handoberfräse nicht sicher beherrscht, wird auch mit einem Frästisch keine besseren Ergebnisse erzielen. Die grundlegenden Schwierigkeiten bleiben bestehen – lediglich die Arbeitsweise verändert sich. Ein Frästisch ersetzt weder Erfahrung noch ein gutes Gefühl für das Werkzeug oder eine saubere Arbeitstechnik.
Rückblickend wäre es deutlich sinnvoller gewesen, zunächst den sicheren Umgang mit der Handoberfräse zu erlernen, anstatt auf eine vermeintliche Abkürzung zu hoffen. Erst wenn man die Oberfräse wirklich beherrscht, spielt ein Frästisch seine Stärken aus und wird zu einer echten Arbeitserleichterung.
Frästisch im Eigenbau – lohnt sich der Aufwand wirklich?
Eine praktische Bewertung von Kosten, Nutzen und Erfahrungen. Dies ist nur meine persönliche Einschätzung.
Als der Frästisch schließlich fertig aufgebaut vor mir stand, stellte sich mir die Frage: Warum habe ich mir nicht gleich einen fertigen Tisch gekauft?
Die Kosten für die vielen Einzelteile – Multiplexholz, Schienen, Schrauben, Griffe, Einlegeplatte, Leitungsschutzschalter, Rollen usw. – standen in keinem sinnvollen Verhältnis zum Ergebnis.
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Die Anschläge sind nicht tiefenverstellbar.
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Die Schubladen sind unpraktisch: sehr klein, aber unnötig hoch.
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Die Höhenverstellung mit dem Wagenheber habe ich später durch eine schraubbare Höhenverstellung von Festool ersetzt.
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Außerdem benötigt der Tisch sehr viel Platz.
Warum habe ich ausgerechnet diesen Frästisch nachgebaut und keinen anderen?
Weil ich der Fachzeitschrift Holzwerken vertraut habe. Sie sollte eigentlich die Interessen von Holzwerkern vertreten, oder? Nach meinen Erfahrungen ist das nicht der Fall. Vielmehr steht der Kommerz im Vordergrund.
Seit Jahren beobachte ich den Inhalt der Zeitschrift (ohne sie zu kaufen):
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Ein großer Teil besteht aus Werbung, teils implizit, teils explizit.
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Viele Themen wiederholen sich nach ein oder zwei Jahren.
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Die empfohlenen Bücher für Schreiner sind oft veraltet oder wenig spannend.
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Von praktischem Möbelbau ist kaum etwas zu finden.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe den Tisch wieder zerlegt und die brauchbaren Teile im Internet verkauft.
Grundsätzlich lohnt sich der Eigenbau eines Frästisches – allerdings aus ganz anderen Gründen, als sie damals in der Fachzeitschrift vermittelt wurden. Und nein: Bereits zu dieser Zeit gab es deutlich durchdachtere und in der Praxis bewährte Konstruktionen.
Erfahrene Holzwerker haben den dort vorgestellten Frästisch vermutlich kaum nachgebaut, weil die Konstruktion in einigen Punkten wenig praxisgerecht war. Wer bereits über entsprechende Erfahrung verfügte, war auf solche Baupläne ohnehin nicht angewiesen.
Heute ist die Situation zum Glück eine andere. Im Internet findet man zahlreiche ausgereifte Baupläne, viele davon sogar als kostenlose SketchUp-Modelle. Sie sind deutlich besser durchdacht und lassen sich problemlos an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Diese Möglichkeiten standen damals noch nicht zur Verfügung.
Auch die deutschen Online-Shops für Holzwerker können eine gute Inspirationsquelle sein. Für den eigentlichen Einkauf lohnt es sich jedoch, die benötigten Komponenten anschließend im Internet zu vergleichen. Nach meiner Erfahrung lassen sich viele Teile bei gleicher Qualität deutlich günstiger beziehen als bei den spezialisierten Holzbearbeitungs-Shops.
Wie ein wirklich praxisgerechter Frästisch aufgebaut sein sollte, habe ich in einem anderen Beitrag ausführlich beschrieben. Dort findet sich auch eine kleine Kostenkalkulation, die zeigt, mit welchem Budget sich ein hochwertiger Frästisch selbst bauen lässt.


